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Thai Journal · Tipps und Informationen für Thailand Reisende
Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
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Über Horst Herrmann

Jugendliche zählen zur Risikogruppe

Mechai Viravaidya fordert mehr Aufklärungskampagnen über HIV und Aids

Mr. Condom meldet sich zu Wort. Mechai Viravaidya kritisiert die Regierung für ihr nachlassendes Engagement in der Aids-Vorbeugung. Weil die Aufklärungskampagnen merklich nachgelassen haben, steige die Zahl der Neuinfektionen. Als besonders gefährdet sieht der Vorsitzende des nationalen Unterausschusses zur Aids-Verhütung die Jugend an. Ob Schüler, Studenten oder Berufsanfänger - etwa die Hälfte verzichte beim spontanen Sex mit wechselnden Partnerinnen bzw. Partnern auf ein Kondom. Deshalb will Mechai Viravaidya sein bewährtes Vorbeugungsprogramm “Learn to love and learn to be safe” erneut starten.

Die Nation verdankt es dem ehemaligen Minister und Senator, dass es in Thailand nicht zu der von Gesundheitspolitikern prognostizierten HIV-Epidemie kam. Mechais Botschaft, Männer sollten vor dem Sex einen Gummi überziehen, kam landesweit an. Die Zahl der Neuinfektionen ging von 141.000 im Jahr 1991 auf 17.000 in 2005 zurück. Doch inzwischen steigt sie wieder und hat einen kritischen Punkt erreicht. Jede Stunde infizieren sich zwei Menschen. Der Unterausschuss gibt die Zahl der HIV-Träger mit mindestens 500.000 an. Und mehrere hunderttausend Kinder, Frauen und Männer sind inzwischen an Aids gestorben.

Der reiche Unternehmer Mechai Viravaidya ist seit 40 Jahren auf Mission und hat den Gebrauch von Kondomen gesellschaftsfähig gemacht. Der Sohn einer Schottin und eines Thai hatte sich ab Mitte der 1960er Jahre zum Ziel gesetzt, den Baby-Boom im Land zu stoppen. Mit witzigen Aktionen propagierte er Anti-Babypille und Kondom. Er veranstaltete in den Dörfern Kondom-Aufblaswettbewerbe und liess Comic-Strips mit Kondomen drucken.

Mit Erfolg: Die Philippinen und Thailand hatten Anfang der 70er Jahre eine gleichgrosse Bevölkerung. Heute leben auf den Philippinen rund 91 Millionen Menschen, in Thailand sind es 65 Millionen bei einer fast doppelt so hohen Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung. Seit seinen Programmen zur Geburtenkontrolle ist Mechai landesweit als Mr. Condom bekannt, und das Kondom heisst bei Thais kurz Mechai.

Mit dem Ausbruch der Aids-Krise erweiterte der heute 67-Jährige seine Aktionen. Er ging mit seinen Helfern in die Bars und Bordelle und verteilte Kondome. Nach einer Studie der Weltbank sollen Sex-Erziehung und Anti-Aids-Programme, also die Nutzung von Kondomen, in Thailand mehrere Millionen Leben gerettet haben.

Um die Familienplanung und den Kampf gegen Aids nachhaltig zu finanzieren, gründete Mechai 1974 die Stiftung “Population and Community Development Association” (PDA). Auch deshalb, weil er sich nicht auf Spenden verlassen wollte. Unter dem Motto “Geschäft für den sozialen Fortschritt” kam zu den Aufgaben Geburtenkontrolle und Aids-Aufklärung die Bekämpfung der Armut hinzu. PDA vermittelt Patenschaften zwischen Firmen und Dörfern und propagiert “Hilfe zur Selbsthilfe”. Arbeitslose und verarmte Thais sollen sich so neue Einkommen erschliessen.

Zur Stiftung zählen heute 18 Unternehmen: Restaurants, Hotels, Baufirmen und Fabriken, die Konsumgüter herstellen. Ihre Gewinne fliessen der PDA zu, die sich damit zu 70 Prozent finanziert.

Thais und Ausländer können die Arbeit der PDA unterstützen. Nicht nur durch Spenden, sondern durch einen Besuch der “Cabbages & Condoms”-Restaurants und -Hotels. Inzwischen gibt es landesweit fünf “Kohlköpfe und Kondome”, so in Bangkok und Pattaya. Der Name ist Programm: Gäste stossen überall auf Präservative, bekommen sie kostenlos überreicht und sehen sie als Dekoration unter der Tischplatte aus Glas oder als modisches Outfit. Und an den Wänden lesen die Besucher Infos über HIV, Aids, Familienplanung und Sterilisierung.

“Schon verrückt, dass es vielen peinlich ist, über einen Lebensretter wie das Kondom zu reden, aber nicht über Bomben, die töten”, sagte der Gründer von “Cabbages & Condoms” kürzlich einer Zeitung. Und warum hat er sich für diese Bezeichnung seiner Restaurants entschieden?“Geburtenkontrolle sollte so preiswert wie Gemüse sein, und Kondome sollten so verbreitet wie Gemüse sein.”

Für seinen uneigennützigen Einsatz und seine erfolgreiche Arbeit erhielt der Vorsitzende der PDA im letzten Jahr den Global-Health-Preis der Bill und Melinda Gates-Stiftung mit einem Preisgeld von einer Million Dollar. “Die Welt braucht mehr Führer wie Mechai, die bereit sind, sich über angebliche Tabus wie Sex und HIV/Aids hinwegzusetzen mit dem Ziel, Leben zu retten”, hiess es bei der Preisverleihung.


 
 
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