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Indochina · Thailand als Tor nach Indochina
Letzte Aktualisierung: 23.10.2010
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Wo Buddhismus und Kommunismus sich treffen - 30 Jahre Volksrepublik Laos

Auch drei Jahrzehnte nach der Revolution gibt es nur wenig Hoffnung auf Veränderungen in dem heruntergewirtschafteten Land

Während die ins Alter gekommenen kommunistischen Revolutionäre ihre 30 Jahre alte Herrschaft feiern und argwöhnisch nach irgendwelchen Dissidenten in den Nachbarländern Ausschau halten, lebt die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung in grösster Armut, und im ganzen Land gibt es kein einziges Krankenhaus, das diesen Namen verdienen würde, obwohl inzwischen Milliarden von Dollars an ausländischer Hilfe ins Land geflossen sind.

Doch es gibt Grund zum Jubeln - jedenfalls aus der Sicht der kommunistischen Führung. Ihre Einparteienherrschaft bleibt unverändert, die Wirtschaft hat einige Impulse und etwas mehr Kraft erhalten, und das Land geniesst ein unverständlich günstiges Ansehen, obwohl es in der Liste der repressiven Regime Asiens ziemlich weit oben rangiert. Die meisten ausländischen Besucher - die Rucksacktouristen aus aller Welt fallen in Herden ein - kehren mit Märchen von Shangri La zurück: Aufrichtig lächelnde Menschen, ein Leben in tropischer Trägheit und nur wenige, etwas kurios wirkende Spuren von Kommunismus, wie die beliebten T-Shirts mit einem roten Stern oder Hammer und Sichel. Nur wenige sind kritisch genug, um die Realitäten unter der Oberfläche wahrzunehmen.

Selbst die Vorbereitungen für die Jubiläumsfeierlichkeiten brannten auf Sparflamme. Nationalflaggen und die Fahnen der Kommunisten wurden gehisst und manche Zäune frisch mit weisser Farbe angestrichen, um so der Gründung der Demokratischen Volksrepublik Laos im Jahr 1975 zu gedenken. Diese Staatsgründung beendete die Ära des Vietnamkrieges und erfolgte nach dem Fall einer von den USA gestützten Regierung, die den Angriffen der Pathet Lao-Guerillas und deren vietnamesischen Verbündeten trotz der schwersten Bombardierungen der Geschichte nicht standhalten konnte. Schon vorher waren die von den Amerikanern eingesetzten Regierungen in Vietnam und Kambodscha auf ähnliche Weise von kommunistischen Truppen gestürzt worden.

In Laos wollen nun die Letzten der Revolutionäre, die amerikanische Bomben und die Härten des Guerilladaseins überlebt haben, die Fackeln an eine jüngere Generation übergeben, von denen einige beim Parteikongress im nächsten Jahr in höhere Positionen gehievt werden könnten. Doch die politischen Analysten sind der Ansicht, dass diese „neue Zucht“ - alle schon über 50 Jahre alt - ähnlich wie in China politisch in den Fussstapfen ihrer Vorgänger weitermarschieren und Fortschritte nur an der wirtschaftlichen Front anstreben wird.

„Es ist ein Einparteienstaat, und sie haben absolut nicht die Absicht, irgendeine Art politischer Aktivität zu erlauben, die Kritik an der Einparteienherrschaft üben könnte“, sagt Martin Stuart-Fox, ein australischer Laos-Experte. „Die nächste Führungsgeneration ist in dieser Hinsicht bestens geschult worden.“ Und der Sprecher des laotischen Aussenministeriums, Yong Chanthalansy, ist davon überzeugt, dass die ein halbes Jahrhundert alte Kommunistische Partei von Laos beliebt und solide ist wie ein Fels. „Die Partei stammt aus den Wurzeln des Volkes, und es ist nicht vergessen worden, dass ihre höchste Aufgabe darin besteht, die Interessen des Volkes zu schützen“, meint der Parteigenosse.

Ausserhalb der Partei, die nahezu 100.000 privilegierte Mitglieder zählt, hat es bislang nur minimalen Druck für Änderungen im System gegeben, und die laotischen Oppositionsgruppen in den USA und Frankreich haben sich als nicht effektiv erwiesen. Einige von ihnen haben sich allerdings für eine Reihe von Bombenanschlägen in den vergangenen Jahren verantwortlich erklärt. Jüngere Leute in Vientiane, die über eine ausreichende Schulbildung verfügen, üben im privaten Gespräch scharfe Kritik an der herrschenden Korruption, bürokratischer Trägheit und intellektueller Unfruchtbarkeit. Es sollen auch kleine, informelle Dissidentennetze im Entstehen sein. Doch bislang ist keine Anti-Regierungs-Bewegung zusammengewachsen, weil jedes Anzeichen von öffentlichem Protest rigoros unterdrückt wird. Viele Laoten sind daher zu der Meinung gelangt: „Was können wir tun?“

„Die intellektuelle Elite in Laos ist so klein, dass sie mit Leichtigkeit kontrolliert werden kann. In den meisten Fällen dadurch, dass man sie in die Partei aufnimmt und „kauft“, indem man ihnen ein Haus und einen guten Job verschafft oder sie an einigen Auslandsreisen teilnehmen lässt“, sagt Stuart-Fox, Verfasser mehrerer Bücher über Laos. „Andere, die sich nicht auf diesen Weg locken lassen, können eine gute Stellung bei den Vereinten Nationen oder anderen ausländischen Organisationen erhalten.“

Grant Evans, ein in Laos lebender Anthropologe, ist ebenfalls der Meinung, dass sich die kommunistische Führung darüber bewusst ist, dass marxistische Ideologie und Reglementierung sich in einer grösstenteils ländlichen, konservativen und religiös eingestellten Gesellschaft nur schlecht verwurzeln lassen. Deshalb habe sie die alten Doktrinen zugunsten einer freieren Wirtschaft, mehr Nationalismus, traditionellen Werten und dem Buddhismus über Bord geworfen.

In dem mit Sicherheit ersten und einzigen buddhistischen und gleichzeitig kommunistischen Staat knien Mitglieder des allmächtigen Politbüros vor Mönchen, und selbst Parteimitglieder legen für eine zeitweilige Mitgliedschaft im Mönchsorden die gelben Roben an. Das Gebäude der Nationalversammlung befindet sich direkt neben dem That Luang Kloster aus dem 16. Jahrhundert, der spirituellen Seele des Landes. Statuen von Königen wurden wieder aufgestellt und ihre Wohltaten gepriesen, und das alles von einem Regime, das die 600 Jahre alte Monarchie vernichtete und den letzten Herrscher, Savang Vatthana, in einen ausgedehnten GULAG von Umerziehungslagern schickte, aus denen der „Gebieter des Königreiches der Million Elefanten und des Weissen Sonnenschirmes“ nie mehr zurückkehrte.

Obwohl es noch immer zu den ärmsten Ländern der Welt zählt, in denen ausländische Hilfe in riesigen Mengen verschwendet wurde, haben einige wirtschaftliche Verbesserungen und zaghafte politische Reformen dabei geholfen, dass Laos noch heute zu den fünf restlichen kommunistischen Einparteienstaaten der Welt gehört, neben China, Vietnam, Kuba und Nordkorea.

Bounthavy Sisouphanthong, Vorsitzender des Komitees für Planung und Investment, erklärt, dass die laotische Wirtschaft seit dem Jahr 2000 mit einem eindrucksvollen jährlichen Wachstum zwischen sechs und sieben Prozent ständig mehr Dampf bekommen habe. Noch mehr Einnahmen werden von grossen Wasserkraftwerks-Projekten, Kupfer- und Goldminen sowie geschätzten 700.000 ausländischen Touristen pro Jahr erwartet. Die Aufgabe sei es nun, dieses Geld so zu kanalisieren, dass die Armut bekämpft und die klaffende Lücke zwischen der reichen Stadtbevölkerung und dem armen Landvolk kleiner wird. Deshalb öffne Laos auch seine Tore für den Rest der Welt.

Als weitere Verbesserung können Journalisten jetzt auch auf Äckern graben, die bislang für sie tabu waren, nämlich Korruption, illegales Abholzen der Wälder und Prostitution. Einige Rechtsreformen seien in Angriff genommen worden, sagt Evans, und die Nationalversammlung habe damit begonnen, über alle möglichen Gesetzesregelungen zu debattieren, „ausser über Politik“. „Drastische Veränderungen wird es in Laos nur geben, wenn es sie zuvor in China gibt“, sagt Evans voraus. Zur Zeit üben weder der grosse Nachbar noch Vietnam, die beiden Länder mit dem grössten Einfluss, irgendwelchen Druck auf Laos aus, irgend etwas zu verändern. Und die westlichen Nationen, einschliesslich der USA, können oder wollen es nicht.

Die Beziehungen zwischen Laos und seinem ehemaligen Erzfeind seien „gut und würden besser“, sagt die amerikanische Botschafterin Patricia M. Haslach, nachdem Vientiane beim Auffinden und Bergen der Leichen von 197 US-Soldaten geholfen habe, die seit Ende des Krieges vermisst worden waren. Das Schicksal von weiteren 372 GI´s bleibt weiter ungeklärt. „Das ist seit den 80er Jahren ein wunder Punkt in unseren Beziehungen, und wir sind ihnen für ihre Zusammenarbeit ewig dankbar“, sagte Frau Haslach in einem Interview. Als Gegenleistung haben die Vereinigten Staaten ihre Handelsbeziehungen zu Laos normalisiert und finanzieren Versuche, Blindgänger aus dem Krieg aufzufinden und zu entfernen. In der Zeit vor dem Ende im Jahr 1975, als Washington sich in Laos wie ein Lehnsherr aufführte, luden die Amerikaner nahezu zwei Millionen Tonnen Bomben über dem Land ab, um den Vormarsch der Pathet Lao und ihrer vietnamesischen Alliierten zu stoppen, mehr als die Gesamttonnage an Munition im Zweiten Weltkrieg.

Mit diesen Erinnerungen wird das Misstrauen der USA wohl noch einige Zeit andauern, darin sind sich politische Beobachter einig. Und zwar so lange, bis die alten Revolutionäre, die noch immer im Sumpf des Kalten Krieges gefangen sind, in die Geschichte eingegangen sind.

 
 
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