Schlange
Giftige Tiere sind fast überall auf der Welt verbreitet, nur wenige Gebiete sind ganz frei von ihnen. Das gilt ebenso für die Meere und Ozeane. Bei dem Gedanken, sie könnten von einer Schlange gebissen oder von einem Skorpion oder einer Spinne gestochen werden, verzichten viele Reisende lieber auf einen Ausflug oder eine Expedition in einen Landstrich, in dem sich derartiges zutragen kann. Die giftigen Tierarten sind sehr zahlreich, und es stimmt, daß man in gewissen Gebieten vor ihnen nicht sicher ist. Aber die genaue Kenntnis einiger elementarer Schutzregeln hat es schon vielen Reisenden ermöglicht, aus heiklen Situationen wieder glücklich herauszukommen. Dabei muß man wissen, daß die Gifte der gefährlichen Tiere einen doppelten Zweck haben: sie dienen gleichzeitig sowohl dem Angriff als auch der Verteidigung. Insbesondere die Schlangen greifen den Menschen nur an, wenn sie von ihm gestört werden, oder aus Furcht vor ihm. Man sollte sich folgende Grundregeln einprägen1.
1.Giftschlangen sind im Allgemeinen nicht aggressiv. Nur die Königskobra verfolgt unter Umständen Menschen und greift sie von sich aus an.
2. Entgegen zahlreichen Legenden, lässt sich keine Schlange, auch nicht die auf Bäumen lebenden Arten, von sich aus von dem Ast, um den sie sich gerollt hat, auf einen Menschen herabfallen, um ihn anzugreifen.
3. Eidechsen, Warane und ähnliche Tiere sind niemals giftig. Natürlich sind nicht alle Reisenden zoologisch so gut unterrichtet, daß sie alle giftigen Tierarten der Erde genau kennen.
Es ist also auch nicht unsere Absicht, eine vollständige Liste dieser giftigen Arten zusammenzustellen. Andererseits ist es aber für jeden Reisenden von großem Nutzen, die elementaren Grundlagen des Schutzes und der Behandlung von Bissen oder Stichen giftiger Tiere zu kennen. Dies soll unsere Richtlinie sein. Die Kobras {Brillen- oder Hutschlangen) sind sehr gefährlich und groß. Sie haben die merkwürdige Eigenschaft, dass sie ihren Hals in der Breite anschwellen lassen, wenn sie wütend sind und angreifen wollen. Die größte ist die majestätische Königskobra. Sie kann bis fast 5 m Länge erreichen. Sie ist bis jetzt das blutgierigste von allen bekannten Reptilien, und sie ist auch - wie bereits gesagt - die einzige Schlange, die, wenn sie gestört wird, den Gegner angreift und verfolgt, auch den Menschen. Wenn die anderen Kobras auch weniger aggressiv, so sind doch auch sie keine netten Tierchen, die man ungestraft streicheln kann. Die Brillenschlange, auch ,,naja-naja" genannt, wird bis zu 1,90 m lang. Sie ist die verbreitetste Giftschlange des Orients. Man findet sie überall im südlichen Asien, in Indien, auf der Insel Ceylon (Sri Lanka} und in Malaysia. Mit ihr arbeiten gewöhnlich die Schlangenbeschwörer des Femen Ostens. Wenn sie gestört wird, richtet sie sich wütend auf, bläht ihren Hals auf und wiegt sich wie ein Pendel hin und her zum Angriff. In den Ländern Südost Asiens sind die Bungares, l -1,50 m lange Nattern, beheimatet, die zwar viel weniger aggressiv sind als die vorerwähnten Schlangen, deren Gift aber ebenso gefährlich ist. Man unterscheidet zwei bekannte Typen: - die geringelte Bungara, mit gelben und schwarzen Ringen überdeckt, die in Indien Krait heißt,- die blaue Bungara, blau mit weißen Ringen.- Dann kann der Reisende noch einer weniger häufigen Bungara begegnen, einer Schlange mit gelbem Kopf, orangerotem Schwanz und einem deutlichen Streifen auf dem Rücken.
Zu erwähnen wäre dann noch die malaiische Pit- Viper und der Habu in Asien, die zu den gefürchtetsten gehören. Dagegen sind die Python, die in Asien, Ozeanien und Afrika zu Hause sind, und die Boa, die man auf dem amerikanischen Kontinent antrifft, zwar Schrecken einjagend, aber weniger gefährlich. Sie sind zwar manchmal über 10m lang, sind aber nicht giftig. Sie werden nur mit Recht gefürchtet wegen ihrer Fähigkeit, ihr Opfer zu umschlingen und zusammenzuschnüren. Aus dieser Aufzählung könnte man annehmen, daß die giftigen Schlangen nur so in der Welt herumwimmeln und daß man sich also nur in einem hermetisch abgeschlossenen Fahrzeug von Ort zu Ort bewegen dürfte. Wenn es auch sicherlich nicht schaden kann, wenn man über diese gefährlichen Arten unterrichtet ist, so wimmelt es doch in den meisten Gebieten keinesfalls von Millionen Reptilien. Ja, man muß sie manchmal mühevoll suchen, um sie zu finden. Außerdem sind viele von ihnen ängstlich und scheu und flüchten bei der Annäherung eines Menschen. Jedenfalls darf man sich nicht auf das verlassen, was in den betreffenden Gebieten herumerzählt wird: oft wird die von gewissen Arten drohende Gefahr verniedlicht, oft wieder - und dies geschieht häufiger! - werden völlig harmlose Reptilien zu Schrecken verbreitenden Tieren gemacht, so die "furchtbare" Serpentminute in Indochina, die nicht gefährlicher ist als eine Blindschleiche.
VERHÜTUNG VON SCHLANGENBISSEN
Durch einige Vorsichtsmaßnahmen kann man in einem gewissen Umfang den Biß giftiger Schlangen vermeiden. In tropischen und äquatorialen Gebieten sollte man nie barfuß gehen, sondern immer Schuhe tragen. Die US Army empfehlen ihren Rekruten, daß sie bei Errichtung eines Ruhelagers zuerst den Boden abklopfen und das Buschwerk beseitigen. Ferner sollte man vorsichtig sein, wenn man Steine bewegt oder Holzstücke aufhebt. Ferner sollte man niemals irgendwelche Gegenstände am Erdboden herumliegen lassen, die den Reptilien als Schlupfwinkel dienen können, z.B. Schuhe, Säcke usw. Es ist besser und im Übrigen ganz einfach, sie an einem Ast oder einer Stange aufzuhängen. |