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Thailand Info · Die Thailändische Königsfamilie
Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
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Aktuelle Thailand Infos und News

Erinnerungen an alte Verbindungen zwischen Siam und Italien

Zu einer Zeit, in der die Welt große Veränderungen erlebte, besuchte König Prajadhipok den Vatikan und Mussolini’s Italien

Nachdem wir um den Tod des Papstes Johannes Paul II getrauert und seinen Nachfolger willkommen geheißen haben, werfen wir hier einen Blick zurück in die Geschichte und auf die Beziehungen zwischen Siam und dem Vatikan und Italien in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Begleitet von seiner Gemahlin, Königin Rambhai Barni, besuchte Seine Majestät König Prajadhipok (Rama VII) im März und April 1934 während seiner Reise durch neun europäische Länder auch das Königreich Italien.

Er war dort als konstitutioneller Monach auf Staatsbesuch, und nahm gleichzeitig die Gelegenheit wahr, sich an Ort und Stelle über die neu-esten politischen Entwicklungen zu informieren, nur fünf Jahre vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.

Auch Italien war zu der Zeit noch eine konstitutionelle Monarchie mit dem König Vittorio Emanuele III als Staatsoberhaupt, während die Regierung von dem mächtigen und damals noch populären Ministerpräsidenten Benito Mus-solini angeführt wurde. Sowohl der König als auch Mussolini empfingen das thailändische Königspaar.

Am 21. März 1934 statteten der König und die Königin dem damaligen Papst, dem 76-jährigen Pius XI, einen Besuch im Vatikan ab. Während der 15 Minuten dauernden Unterhaltung war auch Prinz Devawongse, der damalige Außenminister, anwesend. Anschließend stellte der König dem Papst andere Mitglieder seines Gefolges vor, denen der Pontifex die Hand schüttelte, bevor er sie in französischer Sprache segnete.

Zufälligerweise waren Ihren Majestäten zuvor auch einige thailändische katholische Priester begegnet, während sie die Katakomben von San Sebastiano besuchten. Von diesen wurden sie eingeladen, eine von salesianischen Missionaren geführte Landwirtschaftsschule zu besichtigen.

Am nächsten Tag suchte das Königspaar die Museen des Laterans und des Vatikans auf, in denen viele wertvolle Gegen-stände aus allen Teilen der Welt aufbewahrt werden, darunter auch einige aus Siam, Vietnam und Burma. Da der König stets an der Radiotechnik interessiert war, war der Besuch der Telegraphenstation des Vatikans für ihn ein außerordentliches Erlebnis. Was er dabei besonders faszinierend fand, war die Tatsache, dass diese Radiostation vom Pionier der drahtlosen Kommunikation, Marconi, höchstpersönlich gestiftet worden war.

Auch ein Autoradio erweckte des Königs Interesse

Während er Italien besuchte, legte König Prajadhipok am 12. März, 1934 Den ganzen 1. April verbrachten Ihre Majestäten in St. Peter’s Basilika, nachdem der Papst sie zu zwei religiösen Zeremonien eingeladen hatte. Am Morgen beobachteten sie eine Prozession von Priestern verschiedener Orden und Bischhöfe in verschiedenfarbigen Roben. Ihnen voran bewegte sich das Gefolge des Papstes, der von vier Männern in einer Sänfte getragen wurde, die von Angehörigen der Schweizer Garde flankiert war.

Ihre Majestäten betraten dann die Basilika und wurden gebeten, neben dem den König vertretenden italienischen Kronprinzen zur Linken des päpstlichen Thrones Platz zu nehmen.

Nach einer langen Reihe von Gebeten wurde ein früherer salesianischer Priester zum Heiligen erklärt. Anschließend schickte der Papst sich an, die Ostermesse abzuhalten, woraufhin das thailändische Königspaar sich zurückzog.
Die Nachmittagszeremonie war eine Gedenkfeier für das Konkordat von 1929, dem Vertrag zwischen dem Vatikan und dem italienischen Staat, mit denen die Zwistigkeiten zwischen ihnen beigelegt wurden, die im Jahr 1870 begonnen hatten.

Verglichen mit den Ereignissen des Vor-mittags war diese Zeremonie recht einfach. Sie begann mit Orgelmusik und dem Singen von Hymnen. Dann benetzte der Papst die in seiner unmittelbaren Nähe stehenden Personen mit Weihwasser, bevor er sich zum Eingang der Basilika begab, wo er die dort versammelten Gläubigen segnete. Ihre Majestäten beobachteten diese Vor-gänge zusammen mit dem italienischen Kronprinz.
Die zuvor erwähnten Zwistigkeiten waren das Resultat der Vereinigung verschiedener Fürstentümer, von denen viele unter päpstlicher Herrschaft standen und Steuern an den Vatikan entrichten mussten. Als der nationalistische Revolutionär Giuseppe Garibaldi sie alle im Italienischen Königreich unter König Emanuele II vereinigte, fühlte sich der Vatikan betrogen und beanspruchte weiterhin das Herrschaftsrecht über die Fürstentümer. Die italienische Regierung aber missachtete diesen Anspruch und zahlte dem Vatikan auch keine Steuern.

Die Faschistische Partei mit ihrer aggressiven nationalistischen Politik gewann im Jahr 1921 nur 35 der 135 Sitze im Parlament, aber war trotzdem in der Lage, die Regierung zu bilden. Im April 1924, nach einer von Gewalt und Einschüchterung do-minierten politischen Kampagne, errang die Faschistische Partei einen überwälti-genden Wahlsieg, und so entstand das erste faschistische Regime dieser Welt.
Oppositionsparteien wurden aus dem Parlament hinauskomplimentiert, während Gewerkschaften und die Presse unter Regierungskontrolle standen. Zwei Drittel der Bevölkerung verlor ihr Wahlrecht.
Der Vatikan aber blieb Mussolini ein Dorn im Auge, sodass er sich schließlich bemühte, das gegenseitige Einvernehmen wieder herzustellen, was am Ende, im Jahr 1929, zum Lateran-Vertrag führte, dem gemäß die italienische Regierung den Vatikan als einen unabhängigen Staat anerkannte und sich bereit erklärte, ihm eine Entschädigung für die seit 1870 erlittenen Verluste zu zahlen.

Der Vatikan überließ der Regierung die Führung des Staates, während der Kirche das seelische Wohl des Volkes vorbehalten blieb.

Während des Besuchs des Königs Prajadhipok war Mussolini auf dem Gipfel seiner Macht. Aus diesem Grunde wurden dem thailändischen Königspaar alle möglichen Aspekte des faschistischen Regimes vorgeführt, angefangen vom Hauptquartier der Partei, ihrer Miliz, ihrer Jugendbewegung und deren Trainingslager, ihrer Fabriken einschließlich der für die Arbeiter bereitgestellten Unterkünfte, ihrer Schulen und Kran-kenhäuser sowie viele andere Einrichtungen.

Das offizielle Tagebuch, das vom Privatsekretär des Königs über die Europa-Tour geführt wurde, besagt, dass all jene Menschen, trotz ihrer reglementierten Lebensweise, zufrieden zu sein schienen, und dass sie akzeptierten, dass Mussoli-ni’s Herrschaft zu ihrem Vorteil war. Das Regime schien dem Volk auch alles zu geben, was es benötigte.

Allerdings ist in dem Tagebuch auch folgendes zu lesen: „Es kann nicht bestritten werden, dass die faschistische Regierungs-form eine gewisse Gewalt beinhaltet. In dem Punkt ähneln sich alle Diktaturen. Wenn der ‘Führer’ sein Land so leitet, wie ein Vater seine Kinder, dann ist es ein gutes Regime. Aber wenn der Führer nur an sich und seine engsten Freunde denkt, wenn er unmoralisch ist und seine Bürger unterdrückt, als seien sie Sklaven, dann ist es ein despotisches Regime. Eine Diktatur kann gut oder schlecht sein, deshalb ziehen zivilisierte Länder es vor, von einem Parlament und einem Senat regiert zu werden, die von den Bürgern des Landes gewählt werden“.

Der Chronist schien der gleichen Meinung zu sein wie sein König, obwohl Prajadhipok persönlich erkunden wollte, wie sich der Faschismus in Italien und in Hitler’s Deutschland entwickelte, das er ebenfalls besuchte. Auch ließ er es sich nicht nehmen, von der Besucher-Gallerie aus eine Sitzung des britischen Unterhauses zu beobachten. Dort wurde ihm auch die Ehre zuteil, von den Parlamentsmitgliedern als erster ausländischer Monarch zu einem Diner eingeladen zu werden.

Der Zweck der ganzen Reise was, die ra-piden Veränderungen in der technologischen und politischen Entwicklung Europa’s zu erkunden.

Der König wollte sich über andere Regierungsformen informieren, um ermessen zu können, welche davon für sein eigenes geliebtes Land die beste war.

Der Chronist brachte auch die Gedanken des Königs zum Ausdruck, die dieser be-reits im Mai 1932, ein Monat bevor er ein konstitutioneller Monarch wurde, niedergeschrieben hatte, nämlich dass es für Siam bereits zu spät war, Mussolini’s faschistische Methoden nachzuahmen, um sicherzustellen, dass das Volk an der absoluten Monarchie festhält.

Bei seinen Verhandlungen mit der neuen Regierung hatte der König auch darauf bestanden, dass man ihm das Recht einräume, Mitglieder für das Oberhaus zu ernennen, das als ein Kontrollorgan des Parlaments dienen sollte.

In Anbetracht späterer Entwicklungen in Italien ist es gewissermaßen eine Ironie, dass der Chronist das faschistische Regime für seine Loyalität gegenüber dem italienischen König lobte, der seinerseits der Regierung vertraute und sie unterstützte. Wie wir heute alle wissen, betrieb Mussolini in späteren Jahre eine militaristische Expansionspolitik, woraufhin Italien vom Völkerbund verurteilt wurde, der dem Land aufgrund dessen Sanktionen auferlegte.

Im Jahr 1936 schloss Mussolini sich dann Hitler’s Deutschland an. Nach einer ganzen Reihe militärischer Misserfolge und der Landung der Alliierten auf Sizilien im Jahr 1943, sah Mussolini nicht nur die Po-pularität seines Faschismus schwinden, sondern musste auch akzeptieren, dass Hitler nicht mehr bereit war, noch mehr Truppen abzukommandieren, um den Süden Italien’s zu verteidigen.

König Vittorio Emanuele III, der zuvor auf Mussolini’s Seite gestanden hatte, ließ den Premier schließlich verhaften. Kurz darauf ergab sich Italien bedingungslos den Alliierten. Mussolini’s Ende kam, als er von verärgerten Partisanen entführt wurde, die ihn im April 1945 mit dem Kopf nach unten an ei-nem Laternenpfahl aufhängten.

Drei Jahre nachdem König Prajadhipok abgedankt hatte, begann in Siam im Jahr 1935 der Personenkult des Feldmarschalls Pibulsongkram, der sich mit seiner Unterdrückung und seinen Expansionsbestrebungen nicht viel von Mussolini’s Regime unterschied.

Vielleicht hatte König Prajadhipok diese Entwicklung schon lange vorausgesehen und kämpfte deshalb hart darum, den Trend aufzuhalten.

Als ihm jedoch zu Bewusstsein kam, dass seine Bemühungen keinen Erfolg haben würden, beschloss er, abzudanken. Am 2. März 1935 ging die Herrschaft des Königs Rama VII zu Ende.

 
 
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