Holländer auf offener Strasse hingerichtet
Herausgeber der “Pattaya Post” mit zwei Schüssen tödlich getroffen
Die aktuelle Nachrichtenfarbe ist blutig-rot. In Pattaya wird ein holländischer Gangster erschossen, ein thailändischer Journalist wird in seinem Wagen tot aufgefunden. Dass Pattaya eine Stadt ist, in der sich Kriminelle aus aller Welt äusserst wohl fühlen, ist nicht neu. Seit Jahren finden an der Ostküste regelmässig Abrechnungen zwischen verfeindeten Personen und Banden statt.
In Thailand, Ziel von Millionen Touristen, waren Ausländer seit jeher in Kleinkriminalität (Handtaschen- oder Goldkettenraub, Handydiebstahl) und Kapitalverbrechen verwickelt. Urlauber wurden aber eher durch “Zufall” Opfer von Tötungsdelikten: bei Vergewaltigungen, Raubüberfällen, Einbrüchen, Schiessereien. Wie der deutsche Rentner, der vor wenigen Wochen früh morgens in seinem Haus in der Siedlung Jomtien Nivate wach wird, ungewohnte Geräusche vernimmt, aufsteht, einen Einbrecher stellt und vom Thai mit einem Messer tödlich verletzt wird (der FARANG berichtete).
Der gewaltsame Tod eines ausländischen Urlaubers war und ist noch heute die Ausnahme. Die Regel sind tödlich endende Racheakte zwischen in Pattaya lebenden Geschäftsleuten, gleich welcher Nationalität. Die lokalen Zeitungen sind voll von diesen Geschichten, von Mord und Totschlag aus niedrigen Beweggründen.
Der Holländer soll in Pattayas Baugewerbe Geld verdient haben und wurde auf der Soi Chaiyapruek 2 buchstäblich hingerichtet. Der 45-jährige hatte sein Haus im Point Village verlassen und befand sich gemeinsam mit einem Freund auf dem Weg zu seinem Büro.
Plötzlich tauchte ein mit zwei Personen besetztes Motorrad auf. Der Fahrer soll ein Thai, sein Sozius ein Ausländer gewesen sein. Zwischen diesem Mann und dem Holländer gab es einen kurzen Wortwechsel, dann zog der Sozius eine Waffe und schoss dreimal auf den 45-jährigen. Zwei Kugeln trafen den Kopf, eine den Oberkörper. John Mieremet starb auf dem Weg ins Krankenhaus.
Der Mord hat in den Niederlanden Schlagzeilen gemacht. Denn dort galt John Mieremet als Top-Krimineller. Seine Hinrichtung, so schreibt die Presse, war der vorläufige Höhepunkt eines tödlichen Machtkampfs in der Amsterdamer Unterwelt. Erst wenige Tage zuvor war in Amsterdam Mieremets ehemaliger Rechtsanwalt Evert Hingst erschossen worden. Bei der Justiz galt dieser als Geldwäscher und enger Berater von Kriminellen. In Amsterdam blüht das Geschäft mit Drogen und Prostitution, dessen Erlöse oft mit Hilfe von Immobilienhandel weissgewaschen werden.
Wenige Stunden nach der Tat in Pattaya wurde in Amsterdam ein Bekannter von John Mieremet erschossen, der dritte Mord innerhalb weniger Tage, für den die Amsterdamer Unterwelt verantwortlich gemacht wird. Der Getötete war ein Immobilienmakler und Caféhausbesitzer. Der 45-jährige Kees Houtman soll in den 80er und 90er Jahren an mehreren bewaffneten Raubüberfällen beteiligt gewesen sein.
Wie niederländische Medien weiter berichten, hatte sich John Mieremet nach dem Tod von Evert Hingst zu einem Interview mit einem Journalisten bereit erklärt. Deshalb vermutet Pattayas Polizei als Mordmotiv einen “geschäftlichen Hintergrund”.
Das gilt ebenso für den Tod von Santi Lammaneenil. Die Leiche des 38-jährigen Herausgebers der “Pattaya Post” war auf dem Rücksitz seines BMW in einer Seitenstrasse in Naklua entdeckt worden. Zwei Kugeln hatten die Schläfe und die Stirn getroffen. Die Polizei geht von drei Tätern aus und hat eine Fahndung eingeleitet. Als mögliche Tatmotive werden auch Spielschulden, eine aussereheliche Beziehung und Santis negative Berichterstattung über Hotels und Entertainmentbetriebe im Rotlichtmilieu genannt.
Santi Lammaneenil war über ein Jahrzehnt journalistisch tätig und freier Mitarbeiter des TV-Kanals 7, der englischsprachigen Zeitung The Nation und weiterer regionaler Printmedien.
Er war in Pattayas Gesellschaft eine schillernde Persönlichkeit wie auch Manop Maneechan. Der für den TV-Kanal 3 arbeitende Redakteur war vor zwei Jahren vor einer Bankfiliale an der Naklua Road erschossen worden.
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