Pattaya hat ein neues Konsulat
Rudolf Hofer wurde zum österreichischen Honorarkonsul ernannt
Rudolf Hofer ist österreichischer Honorarkonsul in Pattaya. Der 43-jährige hat sowohl die österreichische als auch die deutsche Staatsbürgerschaft und lebt seit über fünf Jahren in Pattaya.
FARANG: Herr Hofer, das österreichische Aussenministerium hat Sie auf Vorschlag der Bangkoker Botschaft zum Honorarkonsul für Pattaya ernannt. Unterscheiden sich Ihre Aufgaben als Honorarkonsul von denen eines Vertrauensmanns? Was ist neu hinzugekommen?
Hofer: Sie unterscheiden sich dadurch, dass der Vertrauensmann nur eine halboffizielle Position ist. Ein Konsulat ist aber die offizielle Vertretung eines Landes. Zu den bisherigen Aufgaben kommt jetzt noch hinzu, dass ich Dokumente wie Lebensbescheinigungen beglaubigen kann. Im Prinzip darf ich eigentlich alles, was auch der Aufgabenbereich der Botschaft in Bangkok ist, allerdings kann ich keine Visa ausstellen. Das Honorarkonsulat bedeutet für Österreicher eine erhebliche Erleichterung, gerade für ältere Landsleute, die sich nun den Weg nach Bangkok z. B. wegen einer Lebensbescheinigung für die Rente ersparen können.
FARANG: Von einem Honorarkonsul haben viele Pattayaner feste Vorstellungen. Er residiert in einem repräsentativen Gebäude, davor wehen die thailändische und die österreichische Flagge. Zu Ihren Terminen werden Sie künftig in einer schwarzen Benz-Limousine mit CD-Kennzeichen chauffiert . . .
Hofer: Mit den beiden Flaggen, das stimmt schon. Einen Mercedes fahre ich aber nicht. Es ist aber richtig, dass mein Auto ein Konsularkennzeichen trägt.
FARANG: Sie waren seit April 2003 bereits Vertrauensmann der österreichischen Botschaft. Wenn Sie auf diese Zeit zurückblicken, was hat Ihnen am meisten Spass bereitet und den meisten Ärger?
Hofer: Spass ist nicht der richtige Ausdruck, ich würde es eher interessant nennen, was einem hier so passiert. Interessant sind z. B. die Kriminalfälle, die ich hier mit Österreichern und Deutschen erlebe. Über Ärger kann ich eigentlich nichts sagen – alles nur Kleinigkeiten.
FARANG: Sie haben im Jahr 2000 mit dem Schweizer André Belk das Unternehmen Pattaya Rent a Room gegründet. In den Geschäftsräumen an der Soi 17 gegenüber dem Yensabai Condo nehmen Sie auch Ihr Ehrenamt wahr. Wie lassen sich beide Aufgaben miteinander vereinbaren?
Hofer: Seit meiner Ernennung führt mein Partner die Geschäfte.
FARANG: An welchen Tagen und zu welchen Zeiten können Österreicher bei Ihnen um Rat und Hilfe nachsuchen?
Hofer: Montags bis freitags jeweils von 11 bis 14 Uhr in den Räumen an der Soi 17 gegenüber dem Yensabai Condo, Telefon 038.713.613 oder Mobile 01.983.7417 Aber ich bin in Notfällen immer zu erreichen.
FARANG: Sie engagieren sich nicht nur für Österreicher, sondern auch für Deutsche. Im August 2000 wurden Sie von beiden Botschaften zur Kontaktperson, also zum Ansprechpartner für in Pattaya lebende oder urlaubende Landsleute berufen. Die deutsche Botschaft hat Sie auch zum Gefangenenbetreuer ernannt. Sie besuchen Österreicher und Deutsche auf Polizeistationen und in Gefängnissen. Was machen Ausländer in Pattaya falsch, dass sie auf der Polizeiwache landen?
Hofer: Es gibt zwei Kategorien von Personen, die hier mit dem Gesetz in Konflikt kommen. Da ist die erste Gruppe der Sorglosen. Die machen sich keine Gedanken, wenn das Visum abläuft, oder sie rauchen Haschisch auf einer Party. Beides sind aber schon Vergehen, die hier ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen können. Und dann ist da die zweite Gruppe, die, Gott sei Dank, nicht zu oft in Erscheinung tritt. Das sind Menschen, die meist schon in ihrem Heimatland mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind und hier ihre kriminelle Karriere fortsetzen.
Aber die meisten Haftgründe, die wir registrieren, sind und bleiben die Overstay, das heisst, bei diesen Ausländern ist das Visum abgelaufen. Das beginnt mit der Überziehung um ein paar Tage, im Extremfall hatten wir auch einen Ausländer mit sieben Jahren.
FARANG: Welchen Rat geben Sie Landsleuten, die von Polizisten zur Vernehmung mitgenommen oder gar festgenommen wurden?
Hofer: Ein höfliches Benehmen gegenüber thailändischen Behörden sollte selbstverständlich sein. Es führt absolut zu nichts, laut zu werden, auch wenn man im Recht ist oder sich so fühlt.
Bitte nichts unterschreiben, was man nicht lesen kann.
Versuchen Sie eine Person zu finden, der Sie vertrauen und die für Sie bei der Polizei übersetzt. Denn die Englisch-Kenntnisse der Polizei sind begrenzt. Noch besser ist es, wenn Sie einen Rechtsbeistand haben. Es gibt in Pattaya einige Anwälte, die Deutsch sprechen bzw. ein gutes Englisch.
Versuchen Sie, über eine Person die Botschaft oder das Konsulat zu informieren.
Widersetzen Sie sich auf keinen Fall der Festnahme, das allein schon kann eine Anklage nach sich ziehen.
FARANG: In lokalen Zeitungen war kürzlich zu lesen, dass rund 10.000 Ausländer in thailändischen Gefängnissen sitzen. Welche Straftaten führen zu den meisten Verurteilungen?
Hofer: Die meisten Ausländer wie auch Thais werden wegen eines Drogendelikts verurteilt. Wobei es einen grossen Unterschied macht, ob man wegen Drogenkonsums oder Drogenhandels bestraft wird. Die Bandbreite der Strafen ist riesig. Sie reicht von sechs Monaten bis zur Todesstrafe.
FARANG: Den Haftanstalten werden grauenhafte Zustände nachgesagt. Sie kennen einige Gefängnisse. Worüber beklagen sich die ausländischen Gefangenen?
Hofer: Das ist relativ. Wer einmal ein Gefängnis in Kambodscha gesehen hat, der wird die hiesigen als Naherholungszentren betrachten.
Aber es ist richtig, die thailändischen Haftanstalten unterscheiden sich gravierend von den österreichischen oder deutschen. Es gibt hier keine Zwei- Mann-Zellen, sondern die Gefangenen schlafen zu 20, 30 oder mehr in einem Raum auf dem Boden. Auch die ärztliche Versorgung ist mit der europäischen nicht zu vergleichen. Alles in allem kann ich aber sagen, dass der Aufenthalt für einen Westler bei guter Gesundheit erträglich ist. Auch muss ich anerkennen, dass die Zusammenarbeit mit den thailändischen Strafvollzugsbehörden im Allgemeinen sehr gut ist.
Das Essen ist schwer verdaulichDie Gefangenen beklagen sich am meisten über das Essen, das selbst für Thais schwer verdaulich ist. Aber, wie das so in Asien allgemein üblich ist, hilft die Familie ihren Angehörigen natürlich auch im Gefängnis. Die Inhaftierten werden zum grossen Teil von aussen versorgt.
Bei meinen Landsleuten, die im Allgemeinen keine Verwandten hier haben, versuchen wir, diese so gut wie möglich zu ersetzen. Das heisst, Mitarbeiter der Botschaften und Konsulate besuchen regelmässig die Gefangenen und helfen mit Lebensmitteln, Kleidung und Lesestoff aus. Das geht natürlich nur dort, wo es auch erlaubt ist. Ich muss leider sagen, dass im neuen Gefängnis von Pattaya, in Nong Palais, so gut wie nichts erlaubt ist.
FARANG: Was fehlt den österreichischen und deutschen Gefangenen? Können unsere Leser helfen? Gibt es ein Spendenkonto oder eine Anlaufstelle, die die dringend gewünschte Waren annimmt? Hofer: Wenden Sie sich bitte an Ihre Botschaft in Bangkok, die haben einen Fonds. Ich habe feststellen müssen, dass meine Landsleute in Bezug auf Gefangene ihre Brieftaschen sehr gut verschliessen. Ich höre immer wieder, dass diese Menschen kein Mitleid verdienen. In den ganzen Jahren habe ich nur Hilfe von Frau Pätzold erfahren. Sie hat sich mit ihrem Mann für die Häftlinge eingesetzt und auch Courage bewiesen.
FARANG: Seit Jahren schauen Sie hinter die Kulissen des Touristenzentrums. Sie sprechen und verhandeln mit thailändischen Behörden, um Ausländern in ihrer Notlage zu helfen. Welche Ratschläge haben Sie für Residenten und Touristen parat?
Hofer: Man kann eigentlich, wenn man seine Sinne beisammen hat, hier gut und friedlich leben. Schwierig wird es für einige Landsleute, die aus finanziellen Gründen ihr Heimatland verlassen haben. Das geht früher oder später schief. Auch finde ich es wichtig, dass Ausländer, die hier leben möchten, ein wenig die Landessprache erlernen, es macht das Leben erheblich leichter. Und es macht Spass, sich auch ausserhalb Pattayas verständigen zu können.
Am wichtigsten finde ich aber, dass wir uns den Thailändern anpassen müssen und nicht umgekehrt. Wir sind die Gäste hier in diesem Land, und das haben noch nicht alle Ausländer, die hier leben, mitbekommen. Das bedeutet aber nicht, dass wir alles kritiklos hinnehmen sollten. Aber ich rate jedem zu ein wenig Toleranz. (kabu) |