Stoney ist tot
von Stefan Matter
Am frühen Sonntagmorgen, dem 29. Mai, ist Markus Burkhart im Chonburi Hospital in der Provinzhauptstadt verstorben.
Stoney, so kannten ihn Freund und Feind seit einem dutzend Jahren, verfasste ab August 1994 für den FARANG die Kolumne "Stoney der Stadtstreicher". Seine Kolumne war das einzige journalistische Produkt in der Geschichte Pattayas, das je Kultstatus erreichte. Gescheit, witzreich und voller Biss liebte die überwiegende Mehrzahl der Leser seine Zeilen, die sie immer als Erstes und voller Erwartung verschlangen. Weniger taugte der Stadtstreicher denjenigen, die sachlich journalistisches Handwerk hochhielten und noch viel weniger denjenigen, denen Stoney in seiner Kolumne eins auf die Rübe gab. Seine kompromisslos bissige Art zu schreiben machte weder von Polizeiobersten noch mächtigen Geschäftsherren, ob Thai oder Ausländer, halt. Dies brockte unserem Blatt über die Jahre dermassen viel Ärger mit Behörden und Inserenten ein, das ich mich als Herausgeber nach langen Diskussionen schliesslich entnervt und unglücklich vom Stadtstreicher trennte.
Freunde sind wir jedoch geblieben oder erst recht geworden. Viele gehaltvolle Abende und unvergessliche Reisen hatten wir unternommen.
Rührend war die ruppige Form der Zuneigung, die er seinem heute 9-jährigen Adoptivsohn "Boy" entgegenbrachte. Ständig erklärte er Dinge am Wegesrand und brachte ihm durch viele kritische Fragen eigenständiges Denken bei. Schliesslich setzte auch Markus entschieden auf den freien Gedanken, auf Unabhängigkeit, Individualität, Bildung und Kompetenz. Gern suchte er das Gespräch, wobei er Dummschwätzer häufig mit Verachtung stehen liess.
Stoney erfuhr ich als ein Relikt der 68er Studentenbewegung. Politisch und geistig höchst interessiert, jedoch im Bezug auf die Welt zutiefst desillusioniert. Joschka Fischer, ein Mann mit sehr ähnlicher Vergangenheit und gar Intelligenz, war Stoneys Antipode. Wo der grüne Superstar der Droge Karriere und Macht verfiel, gehörte Stoney zu denjenigen, die sich mit dem Establishment überwarfen und durch dessen bedingungsloser Ablehnung irgendwo auch zerbrachen. All die weltpolitischen Irrläufer und Katastrophen waren für Stoney nur mit "Sex, Drugs & Rock `n Roll zu ertragen.
Stoneys Werte und Überzeugungen waren nicht käuflich; zu keinem Preis. Wenngleich er in einer selbst modellierten Gesetzeswelt lebte und durchaus für ein paar Biere einige freundliche Worte über eine GoGo oder ein Restaurand fand, so versuchte er niemandem zu gefallen, ausser der Welt seiner Prinzipien. Was für eine wohltuende Ausnahme, gerade in dieser Stadt! Markus erteilte allen Statussymbolen die totale Absage. Hingegen war er höchst interessiert an den Vorgängen in der Natur, der Wissenschaft und Technik und immer wieder zeigte sich seine Liebe zur Schöpfung. So konnte er mich bei Reisen mitten auf dem Land zum Anhalten auffordern, zu einem Büffel hintrotten und diesen voller Zuneigung auf den Nacken patschen und die Schönheit dieses immer seltener werdenden Tieres preisen.
Gerade mal acht Tage nach seinem 50. Geburtstag ist Markus Burkhart schlussendlich am für ihn schwer erträglichen Leben verstorben. Er hinterlässt seine Eltern in Deutschland, seinen Adoptivsohn und eine ganze Menge guter Freunde. Ich habe Stoney als wertvollen Bestandteil meines Lebens geliebt, hätte noch so viel mit ihm unternehmen wollen und werde Ihn noch lange vermissen.
Rock ´n Roll never dies! |