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Pattaya · Informative Beiträge, Nachrichten und Ausflugsziele
Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
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„In Pattaya gehört die Welt Dir“

Das Touristenzentrum ist längst nicht mehr nur eine Sexhauptstadt

Der Jomtien ist für seinen kilometerlangen Strand bekannt. Jens Nielsen hat ganz feste Vorstellungen von der Zukunft Pattayas. „Ende des Jahrzehnts“, da ist sich der General Manager der Immobilienfirma D2 Real Estate sicher, „wird Pattaya nach Bangkok die zweitgrösste Stadt Thailands sein.“ Pattaya werde vom Internationalen Flugplatz Suvarnabhumi profitieren, Ausländer und Thais könnten mit einer Schnellbahn in kürzester Zeit von Bangkok über den neuen Airport zur Ostküste gelangen. Und hier, von Pattaya über den Jomtien und Sattahip bis nach Rayong, würde der Tourismus boomen, würden sich Rentner und Pensionäre aus Europa und Amerika niederlassen. „Auch deshalb wird der Immobilienmarkt weiter kräftig wachsen, wird die Nachfrage nach Condos anhalten“, sagt Nielsen voraus.

Pattaya ein Paradies für Rentner? Wohl nicht nur. Die lokale Tourismusbranche wird auch künftig von einem Urlaubermix profitieren: von englischen Hooligans, deutschen Ballermännern, von Sextouristen und Sextouristinnen aus aller Welt, von Asiaten, die in Gruppen und in wenigen Tagen durch Einkaufszentren, Ausflugszielen und Sex-Shows geschleust werden, weiter von Familien, gut verdienenden Pauschalurlaubern, anspruchsvollen, an der Landeskultur interessierten Westlern, Geschäftsleuten und Kongressteilnehmern sowie Langzeittouristen, die unter tropischer Sonne überwintern.

Pattaya bezeichnet sich auf diesem Torbogen an der Zufahrt zur Beach Road am Jomtien als „The Extreme City“, als extreme Stadt. War Pattaya früher ausschliesslich durch seine Bars und Barmädchen bekannt, so hat sich der Ort in den letzten Jahren mehr und mehr von diesem Image entfernt. Das Freizeitangebot ist nahezu unerschöpflich. Es reicht von Wassersportaktivitäten wie Surfen und Tauchen über Ausflüge zu den vorgelagerten Inseln, zum Sanctuary of Truth mit den grossen hölzernen Skulpturen und zum Nong Nooch Tropical Garden bis hin zu einer Massage am Strand.

Die Hotels, Apartment- und Gästehäuser mit mehr als 50.000 Zimmern verzeichnen eine immer bessere Auslastung. Pattaya steht gleichermassen für Billigunterkünfte und Nobelherbergen, für Massentourismus und Individualurlauber, für Entertainment in Bars und Pubs bis hin zur „Extravaganza Show“ mit Hunderten Mitwirkenden auf der 70 Meter grossen Bühne des Alangkarn an der Sukhumvit Road in Na Jomtien, weiter für Cabarets wie Tiffany und Alcazar, für ein wildes, bizarres Nachtleben, ein breites gastronomisches Angebot, für Sport und Abenteuer zu Lande und zu Wasser, für Lifestyle und attraktive Einkaufszentren sowie für Krankenhäuser mit internationalem Standard. Die Spass-Stadt bietet eigentlich alles, was das Urlauberherz begehrt. Aus dem unbedeutenden Fischerdorf Ende der 60er Jahre ist eine weltbekannte Metropole für unternehmungslustige Urlauber geworden, die hier Unterhaltung und Abwechslung bis um Abwinken finden.

„In Pattaya gehört die Welt Dir“, preist Helmut seine Wahlheimat in Anlehnung an Murray Heads 80er-Popklassiker „Eine Nacht in Bangkok“. Der 48-jährige Deutsche sitzt an seiner Bier-Bar im Norden der Stadt, trinkt sein Tiger und sagt zu seinen Gästen ohne Ironie: „Trotz der drangsalierenden Sperrstunde: Mir gefällt‘s hier, alles ist billig und zu jeder Zeit zu haben.“

Rund 2.000 Zuschauer können jeden Abend die kulturelle Show im Alangkarn verfolgen. Das Theater bietet einen Mix aus Tradition und Moderne. Pattaya steht aber auch für eine drastisch steigende Kriminalität, für brutale jugendliche Gewalt, Drogen, Betrug, Übervorteilung und Bettelei, für käuflichen Sex und mit der nächtlichen Strandpromenade für den längsten Strassenstrich Asiens. Pattaya ist eben nicht nur das touristische Juwel der Ostküste, es ist nach wie vor eine Sexhauptstadt.

Schon lange nicht mehr steht Pattaya für Strandbad, Seebad oder Badeort. Europäer, die hier feinsandige Strände, einsame Buchten und azurblaues Meerwasser suchen, werden dem Touristenzentrum enttäuscht den Rücken kehren. Denn „Eastern Seaboard“ sind nicht nur die Strände Pattayas und der Koh Samet, das sind Immissionen, die neben der Umwelt Mensch und Tier schädigen. Pattaya ist umgeben von Industriegebieten und dem Tiefseehafen Laem Chabang.

Wenn von Tourismus die Rede ist, wird gerne unterschlagen, dass die meisten Besucher Pattayas Thais sind. Von den 4,3 Millionen Urlaubern des Vorjahres kam ein Drittel aus Thailand. Viele Thais geben an einem Tag mehr Geld aus als asiatische und europäische Pauschalurlauber. Vermögende Thais übernachten in besseren Hotels, wenn sie nicht schon in Nordpattaya oder am Jomtien ein Condo besitzen, sie lassen in den Seafood-Restaurants auftischen und vergnügen sich bis zur Sperrstunde in schummrigen Clubs und bekannten Pubs an der 3rd Road. Was in Thailands Pop-Szene Rang und Namen hat, tritt inzwischen in Pattaya auf. In Discos wie The Palace oder in Pubs wie Differ.

Wenn von Tourismus die Rede ist, wird weiter gerne unterschlagen, dass die Zahl deutscher Urlauber seit Jahren rückläufig ist, dass ihr Anteil am Gesamtaufkommen nicht einmal fünf Prozent ausmacht. Die „goldenen“ Zeiten, als die Stadt in den 80er Jahren fest in teutonischer Hand schien, sind Geschichte. Reiseleiter, von Berufs wegen Optimisten, machen sich nichts vor: Mittelfristig würden nicht mehr deutsche Pauschaltouristen kommen, deren Zahl würde als Folge der unsicheren wirtschaftlichen Lage eher stagnieren oder gar sinken.

Tourismusexperten suchen auch eine Antwort auf die Frage: Wie lange kann diese Stadt mit inzwischen über 300.000 Einwohnern im jetzigen Tempo weiter wachsen? Pattayas Infrastruktur hält mit dem Touristenboom schon lange nicht mehr Schritt. Das Brauchwasser reicht vorne und hinten nicht, ungeklärtes Wasser fliesst nach wie vor in die See und verdreckt das Meerwasser, Abfall häuft sich an zu vielen Tagen an den Stränden, und über einen Masterplan für den im Chaos erstickenden Strassenverkehr wird seit Jahren nur geredet.

Analysten sehen mit Sorge, dass die Entscheidungsträger der Quantität mehr Gewicht einräumen als der Qualität. „Die Zahl der Urlauber kann doch nicht alles sein“, warnt John Koldowski, Direktor des Strategic Intelligence Centre der Pacific Asia Travel Association (Pata) mit Sitz in Bangkok. Anfang kommenden Jahres wird die staatliche Tourismusbehörde (TAT) für 2005 mehr als fünf Millionen Urlauber melden. In dieser Zahl nicht enthalten sind Zehntausende Thais und Ausländer, die in Pattaya ein Wohnhaus oder ein Condo besitzen und auch unter der Hand vermieten.

Bei immer neuen Rekordzahlen dank asiatischer Übernachtungsgäste wird vergessen, dass europäische Urlauber länger bleiben und gutes Geld ins Land bringen, aber anspruchsvoller als Asiaten sind. Europäer erwarten von ihrer Urlaubsmetropole nicht nur kinderfreundliche Hotels, sondern auch saubere Strände und klares Meerwasser, ein Mindestmass an Umweltschutz. Sie stören sich an überquellenden Mülleimern, an nicht begehbaren Bürgersteigen und dem lauten, stinkenden Stadtverkehr, in dem Fussgänger keine Rechte haben. Europäische Stammtouristen fragen sich zu Recht, ob es reicht, auf Tagungen und Plakaten Pattayas Image verbal zu schönen.

Quelle: http://der-farang.com/

 
 
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