Auf Sattel und zwei Rädern rund um Nan
Die nördliche Provinz ist gesegnet mit einer charmanten Hauptstadt
Für Touristen, die mit dem Fahrrad unterwegs sind, ist die Provinz Nan ein wirklich charmantes Abenteuer. Es dauert schon ein paar Tage, um die Stadt selbst zu erforschen, mit ihrem ansprechenden, geschichtlichen Erbe und dem Reiz ihrer verzweigten Viertel. Doch hier gibt es noch viel mehr zu untersuchen, angefangen bei friedlichen Tempeln, über ein Nationalmuseum und die Residenzen der Lanna-Majestäten bis zu den kuriosen alten Häusern der einfachen Leute. Und all diese Attraktionen sind mit überraschender Leichtigkeit zu finden - man braucht keine Karte und auch keinen Reiseführer (obwohl einige gute auf dem Markt sind).
Nan befindet sich 668 Kilometer nördlich von Bangkok, weit genug, um einige Entschlusskraft zu erfordern, eine solche Entdeckungsreise anzutreten. Nicht nur deshalb, weil Nan so weit entfernt ist, sondern auch, weil sich die Strasse an den Bergen entlang zieht und aus Sicherheitsgründen zu vorsichtigem Fahren zwingt. Nan wird in erster Linie wegen seines Rufes als Heimstätte unbeschädigter kultureller und natürlicher Schätze besucht.
Abenteuerliche Typen ziehen einen Aufenthalt im Nationalpark Doi Phu Ka oder an den Ufern des Flusses Wa vor, der wegen seiner wilden Flossfahrten bekannt und beliebt ist. Diejenigen, die es vorziehen, sich selbst in Kultur zu versenken, begeben sich in die Altstadt von Nan, die erst kürzlich als zweite Örtlichkeit Thailands, nach der ehemaligen Insel Rattanakosin in Bangkok, als schützenswertes Kulturobjekt auserkoren wurde. Doch fast jeder findet seinen Weg dorthin, wo es etwas Vernünftiges zum Abendessen gibt, wenn er Sarakadees „Nai Rob Roo“ benutzt, eine informative und glaubwürdige Serie. Andere ziehen es vor, über die Websites zu surfen.
Doch wir haben uns auf die Fahrräder geschwungen und sind jeder fremden Hilfe tunlichst aus dem Weg gegangen. In der Nacht vor unserer Abfahrt hatten wir einen Freund ausgequetscht, der in Nan einen kleinen Coffeeshop und Restaurant mit dem Namen Hot Bread eröffnet hat. Er empfahl uns das Nan Fa Hotel - das älteste Hotel der Stadt und fast ausschliesslich aus Teakholz erbaut.
Bei unserer Ankunft fanden wir die Stadt eng an das Ufer des Flusses Nan geschmiegt. Die Einwohner stammen von den Lan Chang ab, die im heutigen Laos sesshaft waren. Diese Vorfahren siedelten sich vor ungefähr 700 Jahren im heutigen Distrikt Pua an, der reich ist an Steinsalz-Vorkommen. Von dort aus wanderten sie allmählich nach Süden weiter, ins fruchtbare Tal des Flusses Nan. Ihre erste Stadt bauten sie auf dem Hügel, wo sich heute Phra Tha Cha Hang befindet. Eine Dürreperiode im Hochland zwang Phya Pha Kong, den Sohn des Gründers von Nan, Phya Karn Muang, die Stadt ans westliche Ufer des Flusses zu verlegen.
Das Hotel befindet sich in der Sumon Dhevaraj Road, zwischen luxuriösen neuen Restaurants und einer Bank. Im Gegensatz zu den modernen Nobelherbergen besitzt das Nan Fa nur 13 Zimmer mit Klimaanlagen, die Preise liegen zwischen 350.- und 450.- Baht. „Dieses Hotel ist mehr als 80 Jahre alt“, erläutert Generalmanager Somneuk Rachasing und deutet dabei auf ein altes Foto an der Wand, auf dem die chinesischen Eigentümer abgebildet sind. „Ich habe das Anwesen vor Jahren als Manager übernommen und es von der Familie gepachtet.“
Nach einer kurzen Verschnaufpause in unserem komfortablen, sauberen und mit Fernsehen ausgestatteten Zimmer schwangen wir uns wieder auf die Fahrräder und besuchten ein Tourist-Information-Centre in der Nähe des Wat Phumin, der bekanntesten Attraktion der Provinz. Das sollten wir uns zuerst anschauen, sagten uns die Berater, und dann Wat Chang Kham sowie das Nationalmuseum, alles im Dunstkreis der gleichen Strassenkreuzung. Dann sollten einige weitere Tempel in der Nähe sowie die königlichen Residenzen der alten Lanna-Herrscher folgen. An all diesen Sehenswürdigkeiten warten freiwillige junge Fremdenführer, die oft noch zur Schule gehen und voller interessanter Geschichten sind, die sie gerne hervorsprudeln.
Wat Phumin wurde im Jahr 1596 von König Jethabudbhromin erbaut, Ubosot und Viharn besitzen vierfache Säulenhallen. Die wichtigsten Buddha-Images sind vier Statuen in der Haupthalle, die in alle vier Himmelsrichtungen schauen und sich dabei den Rücken zukehren. Die hölzernen Tore des Tempels sind von Lanna-Künstlern mit feinsten Schnitzereien versehen worden.
Im Jahr 1867 wurde Wat Phumin umfassend renoviert, weil man der Ansicht war, dass die alten Mauern baufällig geworden seien. Dargestellt im ethnischen Thai-Lu-Stil und deshalb besonders wertvoll, kann man an den Mauern bildhafte Legenden über Lord Buddha und das Leben der damaligen Bevölkerung bewundern, einschliesslich des Webens einheimischer Trachten und den Handel mit Angehörigen anderer Völker.
Nachdem wir mehr als eine Stunde mit dem Betrachten der Lanna-Kunstwerke verbracht hatten, gingen wir über die Strasse ins Wat Chang Kham Wora Viharn, um uns die berühmteste Pagode der Stadt anzuschauen. Dort näherte sich eine Gruppe junger Fremdenführer und bot uns eine Führung in die Geschichte an.
Der Tempel wurde im Jahr 1406 von Phya Phu Keng erbaut, dem damaligen Herrscher von Nan. Ursprünglich Wat Luang Klang Wieng genannt, erhielt es seinen jetzigen Namen nach den 24 Elefanten, die zur Bewachung der im Sukhothai-Stil errichteten Pagode rund um das Bauwerk aufgestellt wurden. Sie stehen in Wachstellung, die zu dem Terminus chang kham anregte. Irgendwo dort gibt es eine wunderbare Kanzel in Form eines Busabok, eine verehrte goldene Buddha-Abbildung - Phra Nanthaburi Sri Sakayamuni - sowie eine grosse Halle für religiöse Vorlesungen. Als wir danach suchten, erfreuten sich unsere Nasen am Duft, der den Blüten des Indischen Korkbaumes entströmte.
Nach dem Mittagessen im Hot Bread machten wir uns auf den Weg, um den einzigen Silberschmied der Stadt zu besuchen, der elegante Gegenstände herstellt, die in der Vergangenheit zum täglichen Gebrauch benutzt wurden. Dazu gehören Zeremonienschüsseln und Schöpflöffel, Betelbüchsen sowie Tabletts mit Füssen. „Folgt der Sumon Dhevaraj Road, bis ihr auf der linken Seite eine Reihe grosser Regenbäume seht“, wurde uns gesagt, „und biegt dort in eine schmale Strasse ab, wo ihr ein Richtungsschild zur Gemeinde Baan Pratu Plong sehen werdet. Dort biegt ihr nach rechts in die erste schmale Gasse ab, und das von euch gesuchte Haus befindet sich rechts neben euch.“ Die Entfernung betrug ungefähr drei Kilometer, 20 Minuten mit dem Fahrrad, doch unter den Regenbäumen begrüsste uns eine kühle Brise. Boonchuay Hirunwit - bekannt als Chang Nuch - begrüsste uns zusammen mit seiner Frau und füllte unsere Trinkflaschen mit Wasser auf, das mit Pandan-Blättern aromatisiert war. Bekleidet mit kurzen Hosen und einem roten T-Shirt, erzählte er uns seine wundersame Geschichte und zeigte uns seine Erzeugnisse.
Am nächsten Morgen besuchten wir das Nationalmuseum, das sich in dem zweistöckigen, ehemaligen Königspalast von Hor Kham befindet. Nachdem Chao Maha Prom Surathada, der letzte Herrscher von Nan, verstorben war, übergaben seine Kinder den Palast der Provinzregierung. Anfänglich wurde es von der Stadtverwaltung benutzt, bis es die Abteilung für schöne Künste 1974 renovierte und zum Museum umbaute. Das Glanzstück seiner Sammlung ist ein schwarzer, 97 Zentimeter langer Elefantenstosszahn mit Lanna-Schriftzeichen, die aussagen, dass sein Gewicht 18 Kilogramm beträgt. Der Zahn wurde von einem der Nan-Könige aus Burma mitgebracht. Das Museum ist grosszügig mit geschnitztem Holz ausgestattet. In der ersten Etage werden die wesentlichen ethnischen Eigenschaften der Provinz Nan ausgestellt, wie zum Beispiel Modellhäuser, tägliche Gebrauchsgegenstände, handgewebte Kleidungsstücke sowie Darstellungen des Glaubens der Bevölkerung. Die zweite Etage beherbergt den geschichtlichen Werdegang der Provinz. Zu sehen sind alte Fotografien, noch ältere Münzen, Waffen, Haushaltsgegenstände, Buddha-Darstellungen und andere Kunstwerke.
Wieder auf unseren Fahrrädern, sahen wir noch mehr alte Häuser, die von ihren Besitzern sehr gut erhalten werden. Eine Gruppe von ihnen - angeleitet vom Personal des Krankenhauses von Nan - restauriert gerade ein altes Gebäude und hat vor kurzem eine übergrosse Karte von Nan sowie eine Broschüre veröffentlicht, die voller faszinierender Einzelheiten ist. Dieses Büchlein brachte uns auch zur Residenz eines früheren Angehörigen der Lanna-Führungsschicht mit dem Namen Khum Chao Ratchabutr. Das Gebäude dient jetzt als Unterkunft für Staatsbedienstete.
Unsere Fahrt durch Nan führte insgesamt über fast 30 Kilometer, einschliesslich dem Bergauftrip zum Phra That Cha Hang. Entlang des Weges gibt es jede Menge Plätze, an denen man essen kann sowie zahlreiche sehenswerte, alte Gebäude. Und was besonders wichtig ist - die Gegend ist absolut sicher und bestens für Erkundungsfahrten geeignet. Wir fanden auch unseren Weg zum Wat Phya Wat, dessen Pagode ein Gemisch aus Lanna- und Lan Chang-Architektur darstellt. Ein anderes Muss ist Wat Phra That Khao Noi, das sich auf einem recht hohen Berg befindet und einen Panoramablick über die Stadt bietet.
Schliesslich luden wir unsere Gary Fisher- und Wheeler-Räder wieder hinten auf unseren Pick-up und liessen die Stadt und ihre Bewohner hinter uns, nachdem wir am frühen Morgen noch ein schnelles Foto über den Fluss gemacht hatten. Wir taten das in der Hoffnung, dass wir bei unserem nächsten Besuch mehr Zeit haben werden, um die Schönheiten dieser kleinen und ruhigen Stadt weiter erforschen zu können.
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Einige Tipps zum sicheren Fahren
Nan besitzt keine speziellen Fahrradspuren, doch die Strassen sind nicht zu stark befahren und besitzen an jeder Kreuzung Verkehrsampeln, an denen man die Wartezeiten ablesen kann. In den Gassen gibt es keine Hunde, die nach den Fersen schnappen.
Es gibt keine speziellen Parkflächen für Fahrräder, doch es ist sicher, das Rad auf einem Tempelgelände oder an der Strasse abzustellen.
Ein robustes Schloss kann allerdings nicht schaden. Wir benutzten Kabelschlösser, um die Fahrräder an Bäumen oder Masten zu befestigen.
Man sollte nicht vergessen, sich beim Besuch von alten Häusern respektvoll zu benehmen und vor dem Eintreten um Erlaubnis zu bitten. Es sei auch darauf hingewiesen, dass manche Hausbesitzer sehr gastfreundlich und glücklich sind, Informationen weitergeben zu können. Andere hingegen sind es nicht.
Es gibt jede Menge Verkaufsstände an den Strassen, die Essbares anbieten. Auch Trinkwasser in Flaschen ist überall erhältlich.
Die gesamte Strecke der beschriebenen Fahrt, einschliesslich des Ausflugs zum Phra That Cha Hang ist 29 Kilometer lang.
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