Der Khao Sok-Nationalpark in der Provinz Surat Thani
Von Karnjana Karnjanatawe
Mein Herz schlug ziemlich schnell. Meine Schwestern hatten mir gerade angeboten, sie auf einem Urlaubstrip zum Khao Sok-Nationalpark in der Provinz Surat Thani zu begleiten. Er ist berühmt für seine Seen, Berge und die atemberaubende Szenerie der Natur. Ich freute mich auf eine Dosis frische Luft und die Aussicht auf eine Kajak-Tour auf dem Chieo-Lan-See, einem gigantischen künstlichen Reservoir zur Wasserspeicherung und Stromerzeugung.
Bevor wir uns auf die Landstrasse begaben, surfte ich noch im Internet nach weiteren Informationen und erfuhr, dass Khao Sok auch das Guilin von Thailand genannt wird, weil seine Landschaft den nebelverhangenen Bergen von Guilin in China ähnelt. Der grundlegende Unterschied ist der, dass die Berge in Guilin halbmondförmig sind, während die in Khao Sok eher dem Vollmond ähneln.
Ich erfuhr weiter, dass der Chieo-Lan-See der Hauptwasserspeicher für den Ratchaprapa-Hydro-Electric-Staudamm ist, der 1982 von der Electricity Generating Authority of Thailand (EGAT) fertiggestellt wurde. Er befindet sich in der westlichen Ecke der Provinz Surat Thani und ist 100 Meter hoch. Damit ist er der fünftgrösste Staudamm des Landes und kann jährlich 351 Millionen Kilowatt Strom produzieren.
Der Damm ist Teil des Nationalparks, der sich über 461.712 Rai (739 Millionen Quadratmeter) ausgedehnter Wälder und Berge erstreckt und Heimat zahlreicher Wildtiere ist, darunter Elefanten, Gaur (Wildrinder), Tiger und Bären. Ausserdem leben in dem Gebiet mehr als 175 verschiedene Vogelarten, von denen die Nashornvögel die grösste Aufmerksamkeit erregen.
Der Park ist auch die natürliche Heimat der Rafflesia Kerri (Bua Phut), der grössten Blume der Erde. Insgesamt findet man hier 16 Rafflesia-Arten. Die gigantische Blüte trägt gelbe Kastanien und weisse Auswüchse an gelappten Blättern. Der Durchmesser beträgt bei voller Blüte, die allerdings nur drei bis vier Tage dauert, zwischen 70 und 80 Zentimeter. Die Blütezeit ist zwischen Januar und Mai.
Wir wollten ein Langboot zum Kraisorn Rafthouse nehmen, das wir bereits gebucht hatten. Doch unser Bootsführer erklärte uns, er bringe uns besser ins privat geleitete Plern Prai Rafthouse. Dort sei auch der Service besser als in dem von uns gebuchten Ressort, das dem Staat gehöre. Wir versuchten erst gar nicht, lange mit dem Bootsführer zu diskutieren, sondern fügten uns.
Bis zu 850 Meter hohe Kalksteinberge
Das Boot preschte durch ein Labyrinth von Kalksteinbergen, die meisten von ihnen mehr als 200 Meter hoch. Ich schaute in meinen Nationalpark-Führer, nach dem der höchste Gipfel bis zu 850 Metern aufsteigt. Die Sonne brannte erbarmungslos. Ich musste die Augen zusammenpressen, wenn ich die Szenerie vor mir beobachten wollte.
Im smaragd-grünen Wasser des Sees sah ich überflutete Bäume, und mir wurde bewusst, wie gross die Wälder gewesen sein mussten, bevor der Stausee alles überschwemmte. Sueb Nakasathien, ein verstorbener Forstbeamter, soll behauptet haben, dass nur 1.149 Tiere gerettet und evakuiert werden konnten, bevor das ganze Gebiet im Wasser versank. Es wird angenommen, dass in dem Wald einmal 237 Tierarten lebten, darunter auch seltene Arten wie das Sumatra-Rhinozeros, der Malaiische Tapir und der Sturmstorch, die bei der Überflutung ums Leben kamen.
Nach 45 Minuten Bootsfahrt kamen wir im schwimmenden Plern Prai Rafthouse an, das ausschliesslich aus Bambus besteht, allerdings ein Strohdach besitzt. Der Raum war gross, jedoch nur spärlich möbliert, mit Hängematten und Moskitonetzen für vier Personen. Hier gab es keine Elektrizität. Die Toilette befand sich an Land, und wir mussten sie mit anderen Gästen teilen.
In der Stille des Nachmittags verging die Zeit nur langsam, und wir wussten weder, was wir anfangen sollten noch was uns erwartete. Wir wollten mit einem Kanu fahren, doch diese Vereinbarung war anscheinend nicht getroffen worden. Widerwillig schlossen wir uns einer anderen Gruppe an, die eine Tour ins Innere des Nationalparks unternehmen wollte, an einen See mit dem Namen Ha Roi Rai.
Nach 15 Minuten Bootsfahrt und einem Marsch durch den Wald kamen wir zu einem erhöhten Punkt, von dem aus wir vier farbenfrohe Kajaks sahen, die an einem unauffällig aussehenden hölzernen Pier festgemacht waren. „Wartet hier", sagte unser Anführer und ging zu einer Hütte an der anderen Seite des Sees. Er wollte prüfen, ob sich die Kajaks in gutem Zustand befänden und wir sie benutzen dürften. Zu unserer Enttäuschung waren die Boote zwar in gutem Zustand, doch benutzen konnten wir sie nicht, weil sie bereits von einer anderen Besuchergruppe gebucht worden waren.
Der Anführer paddelte dann zu einem anderen Boot, das weiter oben am See vertäut war. Es war gross genug für neun Personen und für uns verfügbar. Doch wie wir schnell heraus fanden, war es voller Löcher. Anstatt die heitere Umgebung geniessen zu können, waren wir damit beschäftigt, ununterbrochen Wasser aus dem Boot zu schöpfen. Schliesslich kamen wir doch zu einem kleinen Ressort an der anderen Seite des Sees. Dort mieteten wir drei Kajaks und fuhren zu einer Höhle.
Meine Schwestern und ich weigerten uns, die Höhle zu betreten, doch Patrick und einige andere entschieden sich dafür, sie zu erforschen. Nach etwa 20 Minuten kehrten sie mit Schnittwunden und Schrammen am ganzen Körper zurück. In der Höhle war es stockfinster, und die Fackeln, die sie bei sich hatten, waren keine grosse Hilfe. Auf dem Rückweg zum Ha Roi Rai-Resort sahen wir einen schwarzen Nashornvogel, der mit seinen Flügeln schlug.
Beim Abendessen lernten wir den Eigentümer unseres Ressorts kennen. „Ich besitze zwei Bungalows, und sie sind immer besetzt", erklärte er uns. „Wie machen Sie das ?", fragte ich aus Neugier. Er erzählte uns dann, dass er Bürgermeister im Distrikt Khao Phang sei und daher gut bekannt mit Bediensteten des Nationalparks und anderen Leuten aus dem Tourismusgeschäft. „Ich bin ein lokaler Politiker. Jeder Bootsbesitzer kennt mich. Ausserdem ist meine Schwester im Fährgeschäft tätig. Sie bringt Besucher zuerst zu mir, und nur wenn meine Bungalows belegt sind, bringt sie sie an andere Plätze", prahlte er.
Nun ging mir ein Licht auf. Das war also der Grund, warum wir hierher gebracht worden waren und nicht ins Kraisorn Rafthouse, das wir ursprünglich gebucht hatten.
In der warmen tropischen Nacht konnten wir das konstante Gesumme der Moskitos hören. Sie waren überall, und die Moskitonetze, die man uns zur Verfügung gestellt hatte, halfen auch nicht viel. In dieser Nacht haben wir kaum geschlafen.
Am nächsten Tag nahmen wir wieder ein Boot und fuhren fort, die berühmten Berge zu betrachten, die die Besucher an Guilin in China erinnern. Das war tatsächlich der Höhepunkt unserer Tour. Der Fahrer fuhr mit Vollgas und das Boot mit der entsprechenden Geschwindigkeit. Nach ungefähr einer Stunde kamen wir an den vereinbarten Punkt, zumindest dachten wir das.
Und hier war es: Die Berge waren mit Nebel verhangen, und die Szene war wirklich atemberaubend. Doch gerade als wir alles so richtig zu geniessen begannen, machte unser Fahrer eine abrupte Kehrtwendung, und ehe wir das voll realisieren konnten, befanden wir uns schon wieder auf dem Rückweg. Wir konnten praktisch nur einige flüchtige Blicke auf die nebelverhangenen Berge werfen. Es dauerte nur ein paar Minuten. Wir hatten alles nur im Vorbeifahren gesehen. Sollte das schon der Höhepunkt des ganzen Trips gewesen sein?
„War’s das ?", fragte ich nach der Rundfahrt. „Ja, und warten Sie hier auf den Bootseigentümer, der wird Sie zu Ihrem Wagen zurück bringen" antwortete der Führer und erinnerte uns dann daran, dass wir für seinen Service zu zahlen hätten.
Wir fuhren aus dem Khao Sok-Nationalpark mit einem Gefühl der Enttäuschung, doch ich versuchte, mich auf die angenehme Seite unserer Erfahrung zu konzentrieren. Ja, wir hatten eine Menge frische Luft geatmet und eine spektakuläre Szenerie gesehen. Doch wir hatten nicht die Chance bekommen, auf dem Chieo-Lan-See eine Kajak-Tour zu unternehmen. Und das alles wegen der Habgier und der unprofessionellen Handhabung eines Tour-Unternehmers, der für das unglückliche Ende dieses Aufent- haltes verantwortlich ist.
Der Khao Sok-Nationalpark und Chieo Lan-See befinden sich in der südlichen Provinz Surat Thani.
Für Selbstfahrer geht’s von Bangkok aus auf der Überlandstrasse Nr. 4 bis nach Surat Thani. Von dort weiter auf die Landstrasse 401 (Surat Thani - Takuapa). Bei Kilometer 58 im Distrikt Baan Takhun nach rechts abbiegen, nach weiteren 14 Kilometern ist der Ratchaprapa-Damm erreicht. Um in den Khao Sok-Nationalpark zu gelangen, muss bis Kilometer 109 gefahren werden, dort befindet sich der Eingang zum Hauptbüro des Parks.
Klimatisierte Busse verkehren vom südlichen Bus-Terminal in Bangkok. Die Fahrt in den Distrikt Phun Phin dauert zehn Stunden. Von dort aus fährt ein anderer Bus nach Takuapa, den die Fahrgäste in Baan Ta Khun verlassen und von dort ein Songthaew zum Park nehmen müssen.
Züge nach Phun Phin in der Provinz Surat Thani fahren täglich vom Hauptbahnhof Hua Lamphong in Bangkok ab. Von Phun Phin fährt ein Bus zum Distrikt Phanom, Haltestelle Baan Takhun. Von hier verkehren Songthaews zum Park.
Thai Airways International fliegt von Bangkok täglich nach Surat Thani. Von dort geht’s mit dem Bus in den Distrikt Phanom, Haltestelle Baan Takhun. Dann mit dem Sonkthaew zum Park.
Der Khao Sok-Nationalpark (077.299.318-9 oder Internet www.npd.go.th) bietet Rafthouses an drei Plätzen (die Preise variieren zwischen 500 und 1.200 Baht). Bungalows werden ebenfalls angeboten. Der Park bietet einen Langboot-Service für elf Personen. Die Preise liegen zwischen 1.200 und 1.700 Baht, abhängig von der Entfernung. Rafthouses am Ha Roi Rai Lake, tiefer im Park gelegen, kann man über die Tel.-Nummern 077.346.031, 01.477.7881 und 09.970.1602 erreichen.
Interessierten wird empfohlen, als Reisezeit in den Khao Sok-Nationalpark die Monate Dezember bis April zu wählen, da dies die beste Zeit ist, die Natur zu beobachten, ohne ständig von Regengüssen durchnässt zu werden. |