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Unterwegs · Reise-Informationen und Neuigkeiten aus Thailand
Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
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Nakhon Pathom

Nakhon Pathom, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, hat heute 50.000 Einwohner und gilt als eine der ältesten Städte Thailands. Über die Geschichte des Ortes liegen noch wenige geschichtlich gesicherte Fakten vor. Erst in jüngerer Zeit fand man bei Ausgrabungen eine der ältesten Ausgaben ein sogenanntes Rad der Lehre, dass von Fachleuten aus dem Jahre 150 v.Chr. datiert wurde. So ein Rad der Lehre, auch Rad des Gesetzes genannt, findet man in vielen buddhistischen geprägten Ländern.

Frühe chinesische Quellen berichteten schon immer von einem alten, großen Königreich mit seiner vermögenden Hauptstadt, aber erst 1963 brachten bei Ausgrabungen gefundene Silbermünzen die Gewissheit, dass hier tatsächlich ein eigenständiges Reich existiert hatte: das Dvaravati-Reich. Auf der Rückseite der gefundenen Silbermünzen entzifferte man die Inschrift "Sri Dvaravati Svarapunya" (Verdienst des Dvaravati Königs). Dieses Königreich bestand aus einzelnen, verbündeten Königreichen und wurde überwiegend vom Volk der Mon bewohnt, einem Volk das ethnisch mit den Khmer verwandt ist.

Als die Stadtgründung vor vermutlich über 2000 Jahren stattfand, erstreckte sich der Golf von Siam noch weiter nordwestlich. In den ersten Jahrhunderten war diese Metropole eine bedeutende und belebte Hafenstadt, wo regelmäßig Handelsschiffe aus dem indischen und chinesischen Raum ihre Waren austauschten. Heute ist man sich sicher, dass Nakhon Pathom einer der Hauptorte eines angesehenen Mon-Königreiches am Golf von Siam war, was heute als das Dvaravati-Reich bezeichnet wird, das vom 6. - 13. Jahrhundert existierte.

Es war ein unabhängiges Königreich, das sich in seiner Blütezeit vom nördlichen Lopburi bis weit in den Süden der malaiischen Halbinsel ausdehnte. Die bedeutende Dimension vermag auch der Grund dafür gewesen sein, dass der berühmte indische Kaiser Asoka die beiden missionierenden Mönche Sona und Uttara ausschickte, um dort den Buddhismus zu verbreiten.

Kaiser Ashoka war wohl der größte Förderer des Buddhismus in Indien, und entsandte sogar seinen Sohn Mahendra als Mönch nach Cylon, wo er König Tissa von Cylon für den Buddhismus gewann. Seit dieser Zeit blieb das Insel-Reich Cylon eine Stätte der ursprünglichen Lehre. Dort hatte man auch die Urfassung der buddhistischen Lehren von den ältesten Mönchen (den Theravadins) in der Pali-Sprache niederschreiben lassen, und wurde so Grundlage für den Theravada-Buddhismus.

Die beiden Mönche machten die Stadt Nakhon Pathom zu ihrem ersten Aufenthaltsort in Siam, da dort bereits indische Handelsniederlassungen bestanden. Dabei war die Mission der Mönche nicht leicht, weil im selben Gebiet sesshafte Inder zugleich ihre Brahmanen-Hindi-Religion verbreiteten. (Noch heute sind im modernen thailändischen Buddhismus auch Bestandteile dieser alten Religion enthalten). Doch sie fanden gelehrige Schüler und Asketen, um ihre Mission im Chao-Phraya-Delta und weiter im Osten fortführen zu können. Daher wird sich auch die Berechtigung der Stadt ableiten, die erste und deshalb bedeutendste Stätte des Buddhismus im alten Siam zu sein. Von hier soll sich die Lehre Buddhas in ganz Siam verbreitet haben. Nakon Pathom gilt deshalb als die Geburtsstätte des thailändischen Buddhismus.

Aufgrund der Umstände, dass bei der Zerstörung von den ersten großen Hauptstätten Siams, Sukhothai und Ayuthaya, die meisten Chroniken vollkommen vernichtet wurden, konnte die ganze Geschichte von Nakhon Pathom noch nicht vollständig aufgeklärt werden. Überliefert ist aber noch, dass im Jahre 1057 der Begründer des ersten, großen burmesischen reiches, König Anurdha von Pangan (andere bekannte Schreibweisen sind Anuruddha und Anavrahta) die Stadt Nakhon Pathom belagerte und nach der Belagerung eine verwüstete Stadt hinterließ. Nachdem Nakhon Pathom verlassen und zerstört war, existierte der Name danach Jahrhunderte lang nur in den alten Sagengeschichten und im Volksglauben, sowie in alten buddhistischen Chroniken. Die Wiederentdeckung der alten vom Urwald überwucherten Stadt sollte bald durch einen bekannten Wandermönch folgen.

Der Phra Pathom Chedi

Der Phra Pathom Chedi (Heiliger Chedi des Beginns) ist der heiligste und einer der ersten Chedis, der erfahrungsgemäß in Thailand existiert. Mit 127 Meter gilt dieser Chedi, der auf einer kleinen Anhöhe steht, als das höchste buddhistische Bauwerk der Welt, und ist damit noch höher als die berühmte Shwedagon, die große goldene Pagode in Rangun, die 116 Meter Höhe angegeben ist. Schon von weitem erkennt man den eindrucksvollen Chedi, der einer gewaltigen Glocke ähnelt. Dennoch ist dieser Chedi nicht, wie viele andere, mit hauch dünnen Gold überzogen, sondern mit goldbraunen Klinkerziegeln aus China bedeckt. König Chulalongkorn ließ einst den Chedi damit umkleiden.

Seine Geschichte

Seine Geschichte ist eng verknüpft mit der Geschichte von Nakhon Pathom. Die Wiederentdeckung und der Wiederaufbau der Stadt, wurde durch den späteren Chakri-König Mongkut eingeleitet. Bevor er zum König gewählt wurde, war er 27 Jahre lang ein Wandermönch, der eine bedeutende Autorität des Buddhismus seiner Zeit war. Ihm waren die Sagengeschichten ebenfalls bekannt, und so führte eine seiner Wanderungen ihn nach tagelanger, gefahrvoller Suche zu der vom Urwald überwucherten alten Ruinen-Stadt Nakhon Pathom mit seinen buddhistischen Anlagen.

Dabei entdeckte er auch den ursprünglichen Chedi, der vom Mon-Volk einst errichtet wurde. Nach einer alten buddhistischen Überlieferung, so wusste es der Mönch Monkut, entstand der erste Phra Pathom Chedi bereits im 2. Jahrhundert n.Chr., als Nakhon Pathom Regierungssitz eines Mon-Königreiches mit dem klangvollen Namen Suwarnabhumi ( eine andere Schreibweise ist Suwannaphum) war, dass im Dvaravati-Reich aufging. Der Name des alten Hafenstadt Suwannaphum war noch Jahrhunderte nach seiner Zerstörung Inhalt von Sagen.

Dieser ursprüngliche Chedi war im Stile der altindischen Stupas erbaut, als Kaiser Ashoka den Buddhismus verbreiten ließ. Als später die Khmer im Lande herrschten, wurde diese erste Stupa zunächst mit einem bramanischen Prang überbaut, der, so wurde herausgefunden, 39,7 Meter hoch war. Viel wichtiger jedoch war die Tatsache, dass in der Stupa Reliquien Buddhas (es soll sich um Knochen oder Asche handeln) eingeschreint waren.

Über die Entstehungsgeschichte der ersten Stupa gibt es auch eine alte Volkssage, die folgendes erzählt:

Einst wurde ein Findelkind von einer alten Frau im Dschungel gefunden und aufgezogen. Das Kind, ein Knabe, wuchs schnell, mit den Tieren als Freunde, heran. Nachdem es zum Mann heranwuchs, war sein Streben zum Militär zu gehen. Durch sein Auftreten und seine Klugheit wurde er schnell zum Truppenkommandeur in seiner Provinz. Bei einem Feldzug gegen die Nachbarstadt Nakhon Pathom erschlägt er den Herrscher der Stadt. Im Palast der eroberten Stadt trifft er eine wunderschöne Frau, in die er sich verliebt. Nach dem erfolgreichen Kampf kehrt er in den Wald zurück, um sein Glückgefühl zu überdenken. Doch von den Tieren erfährt er, dass er seinen eigenen Vater erschlagen hat und nun sogar seine eigene Mutter heiraten möchte.

Eilig sucht er seine alte Pflegemutter auf, um sie zur Rede zu stellen. Von ihr erfährt er, dass seinem Vater prophezeit worden war, dass sein eigener Sohn ihn erschlagen wird. Daher habe er den eigenen Sohn in seiner Angst in den Wald ausgesetzt, in der Hoffnung, dass er von wilden Tieren gefressen werde. Und somit die Prophezeihung nicht in Erfüllung gehen konnte. Statt dessen aber wurde das ausgesetzte Kind von der alten Frau gefunden. Als er nun die ganze Wahrheit kannte, war er sehr betrübt. Um den Vatermord zu sühnen, errichtete der junge Mann eine Stupa, so hoch, wie die Tauben über den Bäumen fliegen konnten?.

Eine noch heute lebendige Sage. Man kann das Denkmal von dem Findelkind in den Armen der alten Frau am Ortseingang nahe eines Wat in einem kleinen Schrein sehen, der yai hom (die Großmutter Hom) genannt wird.

Mongkut selber war von seiner Bedeutung als ältestes buddhistisches Monument in ganz Siam sehr beeindruckt. Als er König wurde, beschloss er den Wiederaufbau all dieser heiligen Anlagen, und ließ im Jahre 1853 die Restaurierung des Tempels beginnen. Das ursprüngliche Gebäude war aber in einem solch desolaten Zustand, dass er an eine Wiederherstellung nicht mehr gedacht werden konnte; denn was die Burmesen nicht vollständig zerstört hatten, wurde durch den ungestörten Pflanzenwuchs der Jahrhunderte erst zunichte gemacht. So wurde nach buddhistischer Tradition der eigentliche Chedi wieder überbaut. Somit überbaute man einer der ältesten Chedis Thailands durch den höchsten Chedi Thailands. Um den neune Ort wieder zu beleben, siedelte man Menschen aus dem rund 20 km östlich gelegenen Ort Nakhon Chaisi hier an.

Vorbild für den Neubau waren die glockenförmigen Chedis der alten Hauptstadt Ayuthaya. Die ersten Arbeiten am Überbau sind während eines Regensturms eingestürzt, so dass sich der Neubau wieder verzögerte. König Mongkut starb, bevor der Bau fertig gestellt war, die Arbeit wurde unter seinem Nachfolger, König Chulalongkorn, in der heutigen Form nicht nur vollendet, sondern auch durch den Bau verschiedener Gebäude erweitert.

Der Chedi besteht aus Ziegelsteinen

Da hier ohne Zweifel einer der wichtigsten Ausgangspunkte des thailändischen Buddhismus lag, wurde dieser Ort von den Herrschern der Chakri-Dynastie begünstigt. Man ließ hier eine kleine ländliche Residenz und zugehörige Gebäude errichten. Nur etwa zwei Kilometer westlich des großen Chedi befindet sich ein kleiner Palast, der in der Regierungszeit von König Mongkut erbaut wurde. Dieser Palast diente als ständiger Wohnsitz des Königs, wenn er die Bauarbeiten am Chedi inspizierte, und für die königliche Begleitung als Aufenthaltsort. Der Ort selber bekam dadurch eine zunehmende Bedeutung und erhielt so eine lebhafte Entwicklung in der Wirtschaft und im Bevölkerungszuwachs.

Eine besondere Verehrung erweisen die Gläubigen dem Phra Ruang Rochanarit, einem etwa 8 m hohen, stehend Buddha in der nördlichen Kapelle.

Das Tempelmuseum

Am Südausgang befindet sich ein interessantes Museum, das vor allem Objekte aus der Dvaravati-Periode zeigt, die während der Bauarbeiten am Chedi und bei umliegenden Ausgrabungen gefunden wurden, darunter auch ein Rad der Lehre, das man aus dem Jahre 150 v.Chr. datierte. Auch sieht man hier ein weißes Modell des alten Chedi, der unter dem heutigen Chedi begraben ist.

Öffnungszeiten sind: Mi-So von 8.30 Uhr - 16.00 Uhr, Eintritt 10 Baht.


Mönch im Wat Phra Pathom Chedi

Die vier Wege Buddhas

Eine breite Treppe führt zum nördlichen Haupteingang, weitere kleinere Treppen befinden an den anderen Seiten. Wenn man den Haupteingang hinauf geht, sieht man die berühmte und sehr verehrte 8 Meter hohe und stehende Buddha-Statue Phra Ruang Rojanaridhi. Diese Statue wurde 1915 hier von König Rama V. aufgestellt. Diese Buddha-Statue ist ungewöhnlich: Der Kopf , die Hände und Füße stammt aus der alten zerstörten Hauptstadt Sukhothai und der Körper der Statue wurde neu gegossen. Unter dem Fundament der Statue wurde ein Teil der Asche von Rama V aufbewahrt.

Unterhalb des Chedi verläuft eine Säulengalerie, die von vier symmetrisch angeordneten Viharn unterbrochen wird. Dies vier Viharn symbolisieren die vier Wege im Leben Buddhas: Geburt, Meditation, Erleuchtung und Tod.

Im West-Viharn kann man einen sehr schön bearbeiteten liegenden Buddha bewundern. Diese Haltung finden wir in mehreren Watanlagen Thailands, und es symbolisiert den Eingang des Erleuchteten ins Nirwana. In dieser Darstellung, die Buddha unmittelbar vor seinem Tod zeigt, wird er von Statuen seiner Jünger umgeben. Bewundernswert ist es, mit welcher Kunstfertigkeit die alten Künstler bereits solche Statuen anfertigen konnten.

Im Süd-Viharn enthält ebenfalls eine schöne Statue des Buddha, beschützt von der mythologischen Naga-Schlange. Auch hier kann man die künstlerische Begabung der damaligen Zeit betrachten. In der Nähe des Süd-Viharn erhebt sich eine kleine Stupa, die eine Reproduktion des vorherigen Bauwerks darstellt. Diese m Khmer-Stil errichtete Stupa wurde im Original durch den heutigen Chedi überbaut, und ist somit nicht mehr zu sehen. Nur die Nachbildung vermittelt einen Eindruck.

Im Ost-Viharn sieht man eine weitere Buddha-Statue, predigend unter einem großen gemalten Bodhi-Baum, der die gesamte Wand hinter der Statue ausfüllt. Jeder sollte sich auch hier insbesondere die Feinheiten der Malkunst ansehen. Selbst einzelne Blätter wurden exakt wiedergegeben.

Der nördliche Viharn, auf den man vom Haupteingang der Anlage direkt zuläuft, weist eine große stehende Buddha-Statue auf, umgeben von kleineren Buddha-Statuen verschiedener Zeitabschnitte.

In der Nähe des Phra Pathom Chedi gibt es immer Garküchen mit Leckereien und Marktstände, die Textilien, Hauhaltswaren und religiöse Artikel verkaufen.

Das Phra Pathom Chedi Fest

Jedes Jahr im Monat November gibt es das große buddhistische Phra Pathom Chedi Fest, an dem unzählige Gläubige an der siebentätige Dauer des Festes teilnehmen. Dieses Fest ist heute eher zu einem großen Volksfest mit religiösen Hintergrund geworden: Unzählige Stände bieten ihre waren an, fahrbare Garküchen versorgen die Besucher mit heimischen Speisen, Musiker-Gruppen spielen klassische und moderne Musik, Wahrsager und Amulett- und Los-Verkäufer sind ebenso zahlreich vertreten, so dass man sich eher auf einen Rummelplatz versetzt fühlt. Zuletzt kann man noch Hunderte von Mönchen in ihren typischen Safran-Roben sehen, die den großen Andrang der Gläubigen rund um den Chedi organisieren.

Allein die Atmosphäre mit seinen Menschen, dass bunte Treiben rund um den Chedi und der Chedi selbst als unübersehbarer Mittelpunkt des Festes, macht einen Besuch für jeden Buddhisten und Interessenten lohnenswert. Wenn auch das Volksfest anscheinend im Vordergrund steht, ist es doch in erster Linie die große Bedeutung, die dieser Ort im Land symbolisiert. Zahlreiche gemeinsame Gebete mit den Mönchen und eine Vielzahl an Opfergaben erinnern an die Geburtsstätte des Buddhismus in Thailand.

Nakhon Pathom befindet sich etwa eine Autostunde westlich von Bangkok.
 
 
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