Naturpark von Bang Poo
Zurück zur Natur - direkt vor der Haustür
In der Nähe des Ressortstädtchens Bang Poo in der Provinz Samut Prakan, nur eine Autofahrstunde von Bangkok entfernt, wird im August ein neuer Naturpark eröffnet.
Da Ihre Majestät die Königin im August ihren Geburtstag feiert, hat man ihr das Projekt gewidmet. Dies geschieht auch als Anerkennung für die Unterstützung, die die Königin vielen umweltbezogenen Projekten entgegen gebracht hat. Das Besucherzentrum wird am Tage ihres Geburtstages, am 12. August 2004, eröffnet, während der Park in seiner Gesamtheit im November fertig gestellt sein wird.
Der Park ist ein gemeinschaftliches Projekt des World Wildlife Fund (WWF) Thailand und der Königlich Thailändischen Armee. Er wird den Bürgern von Bangkok eine bessere Möglichkeit bieten, mit der Natur in Berührung zu kommen und etwas über sie zu lernen, ohne dass sie weite Strecken zurücklegen müssen.
„Dies wird ein Ort sein, an dem die Menschen in der Natur sein, etwas über die Natur lernen und, was am Wichtigsten ist, für die Natur lernen können“, sagte Oberst Krisdha Areerajjakul, der Direktor der Heeresabteilung für Zivile Angelegenheiten, der an diesem Projekt mit dem WWF zusammenarbeitet.
Am Golf von Thailand gelegen, ist das Marschland von Bang Poo ein wertvolles Ökosystem. Die Mangrovenwälder, die ihre Nährstoffe aus den Ablagerungen von Flüssen beziehen, sind ein fruchtbares Habitat für viele verschiedene Kreaturen, einschließlich der Krebse, die der Gegend ihren Namen verliehen haben. (Das ‘Poo’ in Bang Poo bedeutet ‘Krebs’)
Abgesehen von Wassertieren findet man dort auch tausende von Zugvögeln, die entweder in Richtung Norden nach Sibirien, oder gen Süden nach Indonesien oder Australien fliegen. Darüber hinaus leben dort auch viele einheimische Vögel. Bisher sind in Bang Poo 162 verschiedene Vogelarten beobachtet worden, darunter mehrere Gattungen von Möwen, sowie Störche und Ibisse.
Der Park soll gleichzeitig als Lehrzentrum dienen. Er wird der erste seiner Art und ein Muster für ähnliche Projekte in der Zukunft sein.
Der Umweltaktivist John Parr, der schon seit 15 Jahren in Thailand arbeitet und nun im WWF Thailand Direktor für Umweltschutz ist, sagte, es sei unbedingt notwendig, dass Großstädter mehr über die Natur lernen.
„Es ist besorgniserregend, dass die Menschen so naturentfremdet sind. Die Leute gehen in ein Einkaufszentrum, weil sie dort eine angenehme ‘Umwelt’ vorfinden“, sagte Parr. „Ich finde es traurig, wenn jemand einen Besuch in einem Einkaufszentrum als eine Freizeitbeschäftigung betrachtet“.
Allerdings ist er sich auch dessen bewusst, dass es in Bangkok nicht allzu viele Möglichkeiten gibt, mit der Natur in Berührung zu kommen. Khao Yai ist immerhin 175 Kilometer entfernt, und Khao Sam Roi Yot, ein anderer großer Naturpark, liegt 200 Kilometer von Bangkok entfernt.
Parr, der in einer ländlichen Gegend von England aufgewachsen ist, sagt, man sollte Kinder schon von frühester Jugend an mit der bezaubernden Welt von Tieren und Pflanzen vertraut machen.
„Es ist wichtig, dass Menschen, und ganz besonders Kinder, Kontakt zur Natur haben. Wer als junger Mensch zum ersten Mal Vögel beobachtet, wird möglicherweise für den Rest seines Lebens ein Beschützer dieser gefiederten Kreaturen sein. Dieser anfängliche Kontakt hinterlässt in den meisten Fällen einen dauerhaften Eindruck“.
Wenn man in Kindern schon in jungen Jahren das Interesse an der Natur erweckt, werden sie für immer davon fasziniert sein. Andererseits, wenn sie nicht mit der Natur in Berührung kommen, verlieren sie das Interesse. „Die Schulen der Großstädte sollten ihren Naturkundeunterricht tatsächlich in die Natur verlegen“, sagte Parr.
Mit diesem Gedanken im Sinne wird der Park eine Vielzahl von lehrreichen Aktivitäten anbieten. Es wird ein Besucherzentrum eingerichtet, in dem Ausstellungen veranstaltet und Vorträge gehalten werden können. Durch den Park ist ein Wanderpfad angelegt worden, und speziell für die Beobachtung von Vögeln sind vier Hochstände gebaut worden.
Obwohl der Park mit seinen 384 Rai verhältnismäßig klein ist, wird er so verwaltet, dass die Anzahl der dort lebenden Gattungen sich noch weiter vermehrt, was die Anlage noch interessanter machen wird.
Im Gegensatz zu Nationalparks, die aus abgegrenzten Gebieten bestehen, an denen nichts verändert wird, ist Bang Poo ein von Menschen umgebenes Gelände, in dem auch kleine künstliche Eingriffe vorgenommen worden sind.
„Man könnte sagen, der Park ist ein Mittelding zwischen Khao Yai und einem privaten städtischen Garten“, erklärte Parr.

Die Landschaft ist verschönert worden, indem mehr Bäume gepflanzt wurden, während der Salzgehalt verschiedener Teiche auf unterschiedlichen Pegeln gehalten wird, sodass eine größere Vielfalt von Kreaturen darin leben kann.
Kommt es Ihnen vielleicht unnatürlich vor, dass ein Naturpark auf diese Weise manipuliert wird? Nun, Sie mögen ja Recht haben, aber das geschieht alles im Namen des Umweltschutzes.
„Wenn wir Tiere und Pflanzen erhalten wollen, müssen wir der Natur ein wenig nachhelfen“ behauptet Parr.
Je mehr Gattungen sich in dem Park ansiedeln, desto mehr können Schulkinder über die Ökologie des Marschlandes lernen. Darüber hinaus meint Parr, sollten Kinder nicht nur zwecks Beobachtungen in den Park kommen, sondern sich aktiv an dessen Erhaltung beteiligen, um eine noch engere Beziehung zur Natur zu entwickeln. Jugendliche könnten Bäume pflanzen, Insektensammlungen beginnen oder den von unachtsamen Leuten hinterlassenen Unrat auflesen.
Der WWF geht mit seiner Erziehung über die Natur sogar noch einen Schritt weiter und organisiert ‘Naturlehrgänge’ für Schullehrer, sodass sie in ihren Lehrinstituten einen besseren Naturkundeunterricht geben können.
Während der Park in Bang Poo in erster Linie für Schulkinder eingerichtet wurde, die während des Schulsemesters an Wochentagen Zutritt zu der Anlage haben, wird er an Wochenenden und während der Schulferien für andere Besucher geöffnet sein.
Das Projekt hat sich zu einem großen Unternehmen entwickelt, aber es begann mit einem einfachen Tagesausflug, den Parr vor vielen Jahren in die Gegend unternahm, um Vögel zu beobachten. Während er einige interessante Vögel zu Gesicht bekam, bemerkte er gleichzeitig, was für ein gesundes natürliches Habitat das Gebiet war, und erkannte sofort dessen Potenzial als natürliches Lernzentrum. Als er dann vor zwei Jahren die Anstellung beim WWF annahm, bemühte er sich sofort, das Projekt in die Wege zu leiten.
Als erstes setzte er sich mit der Armee in Verbindung, der das besagte Land gehört. Das Militär hatte einen Teil des Landes in den 50er Jahren zu einer Art Erholungsgebiet für Soldaten entwickelt. Später wurde es auch für die Öffentlichkeit freigegeben und wurde schließlich zu einem beliebten Ziel für Wochenendausflüge, bevor das etwas weiter südlich gelegene Bang Saen das bevorzugte Seebad an der Ostküste wurde.
In den letzten Jahren hat Bang Poo einen Teil seiner Popularität zurück gewonnen, allein schon wegen seines am Pier gelegenen, wohl bekannten Fischrestaurants, und nachdem die Armee ein paar Renovierungsarbeiten an infrastrukturellen Einrichtungen vorgenommen hat.
Parr hoffte allerdings, dass sich die Armee statt auf konventionelle Touristenattraktionen mehr auf die Entwicklung der natürlichen Gegebenheiten konzentrieren würde. Mit einem verschmitzten Lächeln erzählte er dann, wie er seine Überredungskampagne aufgezogen hat. Er befasste sich eingehend mit der Web-Seite der Armee und machte sich Notizen über gewisse Schlagworte, die die Armee benutzte, um ihre Pflichten hervorzuheben, nämlich ‘die Gesellschaft zu unterstützen’ und ‘bei der Entwicklung der Nation zu helfen’.
Dann schickte er einen Brief an die Armee, in dem er all diese ‘Pflichten’ aufzählte und gleichzeitig darauf hinwies, was er für die Entwicklung von Bang Poo benötigte.
Wie sich herausstellte, bedurfte es keiner großen Überredungskunst, denn wie Oberst Krisdha sagte, ist die Armee ohnehin sehr an der Erhaltung der Natur interessiert.
„Die Armee ist schon seit langem in den Naturschutz verwickelt. Seit Jahren überwachen und beschützen wir das Gebiet von Bang Poo. Auch in anderen Gegenden des Landes sind Soldaten aktiv in den Schutz von Reservaten verwickelt, deshalb waren wir auch sofort an dem von Khun John vorgeschlagenen Projekt interessiert“.
Eine Studienreise zu dem schon lange etablierten Naturpark des WWF in Hong Kong, der so wie Bang Poo aus Marschland entlang der Küste besteht, ließ die Armeeoffiziere sofort erkennen, welch großes Potenzial als Lehrzentrum das Bang Poo-Gelände hat.
Schon bald danach kam man zu einer Einigung. Im August vorigen Jahres unterzeichneten die Armee und der WWF ein Memorandum, mit dem sich beide Parteien verpflichteten, zusammenzuarbeiten, um in Bang Poo einen Naturpark zu entwickeln. Der WWF stellt seine Kenntnisse im Management der Umwelt, sowie Personal, Lehrmaterial und Programme zur Verfügung, während die Armee die Benutzung des Landes genehmigt und die nötigen Bauarbeiten ausführt.
Oberst Krisdha meinte: „Es mag wohl seltsam erscheinen, dass die Armee mit einer nicht-staatlichen Organisation zusammenarbeitet, aber in diesem Falle ist es angebracht. Wir haben ein gemeinsames Interesse, nämlich die Natur zu schützen, und das können wir besser tun, wenn wir uns gegenseitig unterstützen“. |