Immobilien-Autobahnen ins Gebirge
Weshalb viele Bergstrassen auf Samui in einem so schönen Zustand sind
Der Zustand der Strassen auf Koh Samui ist ein ungelöstes Dauerärgernis. Schlaglöcher und abgesackte Betonplatten werden – wenn überhaupt – traditionell in Flickschusterei repariert. Vor allem Zweiradfahrer leben gefährlich. – Doch es gibt auch ein anderes Bild. Wer eine der neuen Bergstrassen befährt, die nach Kilometern im Nirwana enden, schöpft Hoffnung. Sollte das der Beginn einer neuen Strassenkultur auf Samui sein?
Kurioserweise winden sich Jahr für Jahr mehr Betonstrassen in die Berge der Insel. Selbst alteingesessene Wahlsamuianer staunen beizeiten Bauklötze, wenn sie einer dieser Strassen folgen. In Lamai, gleich hinter der Driving Ranch (Golfabschlagplatz), führt eine dieser neuen Strecken steil nach oben. Wer beim Buddy’s oder an der Lamai PTT-Tankstelle in Richtung Berge einbiegt und dann dem Verlauf der großen Strasse folgt, endet erst 4,2 Kilometer weiter in einer Sackgasse. Weiterfahrt unmöglich – Lebensgefahr!
Dem FARANG-Redakteur erläuterte ein Mitarbeiter des Straßenbauamtes unter der Hand, dass diese Strasse später mit einer aus Richtung Maenam kommenden Strecke verbunden werden könnte. Ganz einfach sei das, sagt er. „Zunächst baut jeder seine eigene Strasse, soweit er kann, dann trifft man sich irgendwo in der Mitte.“ Und schon sei eine Entlastungsstrecke für den Hauptverkehr auf der Ringstrasse geschaffen.
Andere Töne hörte DER FARANG von thailändischen Anliegern. Sie verweisen augenzwinkernd auf so manches Hinweisschild. „Land for Sale“ steht da. Land zu verkaufen. Und dazu hilfreiche Telefonnummern für Interessenten, damit der Kontakt auch zustande kommt. Erschlossen ist das gesamte Gebiet im steilen Gebirgszug entlang der Strasse allemal. Schließlich führt eine wunderbare Betonstrasse hinauf… Und Strom? „No problem, no problem, can do later.“ Kein Problem, kommt später.
Wer sich die Mühe macht und die Zeit nimmt, ein paar Tage lang seine Trauminsel in höheren Lagen zu erkunden, wird einige dieser neuen Bergstrassen entdecken: in Maenam, bei Lipa Noi, Nathon, Lamai, Chaweng, überall fressen sich diese Betonpisten in die Hügellandschaft hinauf. Und fast gleichermaßen säumen die freundlichen Schilder den Weg: „Land for Sale“.
Der aktuelle Monsunregen der letzten Wochen hat bei diesen Gebirgsautobahnen eine rasante Talfahrt erleben dürfen. In dicken Strömen rauschten die Wassermassen talwärts und fluteten in die Zentren von Maenam, Chaweng und Lamai. Faustregel: Je besser versiegelt, desto flotter nach unten. An der ersten Zufahrt nach Lamai mit dem Mc Donald’s-Hinweisschild war das vor wenigen Wochen gut zu beobachten. Selbst ein dickes Bollwerk von Sandsäcken konnte hier das Wasser nicht mehr bändigen.
Die Praxis des Immobilien-fördernden Straßenbaus ins Gebirge – geht sie eigentlich zu Lasten der Instandhaltung des Hauptstrassennetzes? Die Antwort ist auf Koh Samui einfach. Jeder, der sich auf Inselrundfahrt macht, Schlagloch um Schlagloch umkurvt oder trifft, seine Bandscheiben auf der Holperpiste einer unfreiwilligen Dauermassage unterzieht, von den schönen Strassen auf dem Festland oder Phuket träumt, der kann diese Antwort geben.
Der neue Bürgermeister Ramnet Jaikwang jedenfalls hat angekündigt, Koh Samui einer gründlichen Analyse zu unterziehen und der auswuchernden Bebauung in den Bergen ein Ende zu setzen. Seine Partei „Samui Kaona“ hat bei ihrem Erdrutschsieg im Oktober immerhin 17 der 18 Sitze im Samui-Gemeinderat ergattert und das bei einer Wahlbeteiligung von 75 Prozent. Das war die höchste in Samuis jüngerer Wahlgeschichte und ein Zeichen dafür, dass Einheimische und Zugewanderte gleichermaßen Geduld und Glauben in die alte Regierung verloren hatten.
There is a road to nowhere. Da führt eine Strasse ins Nirgendwo. Vielleicht findet Ramnet Jaikwang den Weg zurück ins Tal Samuis und verirrt sich nicht wie seine Vorgänger in den Höhen des Unternehmertums. In Strandnähe, wo sich die zahlenden Touristen tummeln, gibt es viel zu tun. In diesen schwierigen Zeiten für den thailändischen Tourismus mehr denn je.
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